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5/3/1 Boring But Big: 5×10 richtig dosieren

· Chris · 9 Min. Lesezeit · Aktualisiert

Boring But Big hat eines der simpelsten Rezepte im gesamten 5/3/1-System:

Nach der Hauptarbeit machst du fünf Sätze mit jeweils zehn Wiederholungen einer Grundübung.

Mehr steckt formal kaum dahinter.

In der Praxis entscheidet aber genau eine Frage darüber, ob BBB produktives Volumen oder einfach nur sehr viel Ermüdung erzeugt:

Wie schwer machst du diese 5×10?

Denn 50 Wiederholungen mit 50 % deines Training Max sind ein völlig anderes Training als 50 Wiederholungen mit 70 %.


Was ist Boring But Big?

BBB ist Supplemental Work innerhalb des 5/3/1-Systems.

Nach der eigentlichen Hauptarbeit folgt ein großer Volumenblock.

Ein klassischer Bankdrücktag könnte beispielsweise so aussehen:

BlockArbeit
Main Work5/3/1-Sätze
BBB5 × 10 Bankdrücken
Assistanceergänzende, kontrollierte Arbeit

Der Name ist ziemlich treffend.

Fünf Sätze.

Zehn Wiederholungen.

Immer wieder dieselbe grundlegende Bewegung.

Keine komplizierte Übungsrotation und kein besonderes Intensitätssystem.

Genau deshalb ist BBB leicht zu verstehen – und leicht zu unterschätzen.


50 Wiederholungen verändern die gesamte Einheit

5×10 klingt mit leichtem Gewicht zunächst harmlos.

Aber fünfzig Wiederholungen einer Kniebeuge, eines Deadlifts oder einer Pressbewegung erzeugen erheblich mehr Gesamtarbeit als ein paar zusätzliche schwere Fünfer.

Das Ziel ist deshalb nicht, aus jedem Satz einen Kampf zu machen.

Die Herausforderung entsteht kumulativ.

Satz 1 kann sich sehr leicht anfühlen.

Satz 2 ebenfalls.

Entscheidend ist, ob Satz 4 und 5 noch sauber aussehen.

Genau deshalb ist die Wahl des Gewichts wichtiger als der Eindruck nach den ersten zehn Wiederholungen.


Mit welchem Prozentsatz solltest du BBB starten?

Für klassisches BBB ist 50 % des Training Max ein sehr sinnvoller Ausgangspunkt.

Wendler hat diesen Wert selbst wiederholt als Basis verwendet.

Das bedeutet:

TM Kniebeuge: 140 kg

BBB bei 50 %:

70 kg × 10 × 5

Wer bisher kaum hochvolumige Grundübungen trainiert hat, sollte nicht unterschätzen, wie sich diese 50 Wiederholungen über mehrere Wochen summieren.

Der richtige Start ist deshalb nicht das schwerste Gewicht, das du irgendwie über fünf Sätze bekommst.

Der richtige Start ist ein Gewicht, mit dem du die vorgesehene Arbeit wiederholt und regenerierbar absolvieren kannst.


Sind 60 oder 70 % ebenfalls BBB?

Ja – aber hier muss man den Kontext beachten.

Wendler hat unterschiedliche BBB-Varianten veröffentlicht.

Eine bekannte davon ist die Boring But Big 3 Month Challenge.

Dort steigt das Gewicht über drei Monate:

MonatBBB-Gewicht
150 % TM
260 % TM
370 % TM

Wer nur diese Tabelle sieht, könnte daraus schließen:

70 % sind also einfach eine härtere BBB-Version.

Dabei fehlt der wichtigste Teil der Programmierung.

In dieser Challenge werden die letzten 5/3/1-Sätze nicht auf zusätzliche Wiederholungen gepusht. Du absolvierst nur die vorgeschriebenen Wiederholungen und hebst deine Erholung für das zunehmend schwere 5×10-Volumen auf.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum einzelne Prozentwerte wenig bedeuten, wenn man den Rest des Programms ignoriert.

70 % BBB plus maximaler AMRAP plus viel Assistance ist nicht dasselbe Programm.


Warum 50 % für die meisten der bessere Einstieg sind

Der Reiz von BBB entsteht nicht dadurch, dass jede einzelne Wiederholung schwer ist.

Er entsteht durch die Kombination aus:

Grundübung + 50 Wiederholungen + wiederholten Trainingswochen.

Mit 50 % TM hast du normalerweise genug Spielraum für:

  • saubere Technik
  • kontrollierte Satzpausen
  • stabile Wiederholungsqualität
  • Fortschritt über mehrere Wochen
  • vernünftige Regeneration

Wenn du dagegen bereits im ersten Zyklus versuchst, das BBB-Gewicht möglichst hoch anzusetzen, wird Supplemental Work schnell zum zweiten Haupttraining.

Dann konkurriert BBB mit der Arbeit, die eigentlich davor stattfinden soll.


Woran merkst du, dass das Gewicht passt?

Es gibt keine magische Geschwindigkeitsgrenze.

Praktisch sind aber ein paar Fragen hilfreich.

Sind alle fünf Sätze vollständig?

Das klingt banal.

Wenn du regelmäßig aus

10 / 10 / 10 / 8 / 6

ein Workout machst, das eigentlich 5×10 vorsieht, stimmt etwas nicht.

Entweder ist das Gewicht zu hoch, die Pausen zu kurz oder die gesamte Programmierung zu aggressiv.

Bleibt die Technik stabil?

Ein langsamerer zehnter Rep im fünften Satz ist nicht überraschend.

Wenn die Bewegung aber zunehmend zu einer anderen Übung wird, ist das kein Qualitätsvolumen mehr.

Erholst du dich bis zur nächsten relevanten Einheit?

Das ist der häufig übersehene Test.

Ein Workout kann sich erfolgreich anfühlen und trotzdem zu viel gewesen sein.

Wenn deine folgende Einheit regelmäßig darunter leidet, war das Trainingsvolumen möglicherweise höher, als du regenerieren kannst.

Die Frage lautet deshalb nicht nur:

„Habe ich 5×10 geschafft?“

sondern auch:

„Was hat mich dieses 5×10 bis zur nächsten Einheit gekostet?“


Das richtige BBB-Gewicht erkennt man eher an Satz 5 als an Satz 1

Die ersten zehn Wiederholungen sagen wenig aus.

Bei einem vernünftigen BBB-Gewicht sollen sie kontrollierbar sein.

Du musst nach Satz 1 nicht das Gefühl haben, gerade außergewöhnlich hart trainiert zu haben.

Die Belastung entsteht über die Gesamtarbeit.

Deshalb ist das ein schlechter Entscheidungsweg:

Satz 1 war leicht, also erhöhe ich nächstes Mal deutlich.

Interessanter sind:

  • Satz 4
  • Satz 5
  • Technik
  • Erholung nach dem Training
  • Leistung in der folgenden Woche

BBB ist Volumentraining.

Volumen bewertet man nicht anhand der ersten zehn Wiederholungen.


Gleiche Übung oder andere Grundübung?

BBB wurde in unterschiedlichen Varianten programmiert.

Die einfachste Variante ist:

Main Work und BBB mit derselben Übung.

Beispiel:

Bankdrücken Main Work → Bankdrücken 5×10

Das hat einen offensichtlichen Vorteil: Du sammelst sehr viel Arbeit auf genau derselben Bewegung.

Es kann aber gerade bei Kniebeugen und Kreuzheben entsprechend ermüdend sein.

Andere BBB-Programme verteilen Main und Supplemental Work anders.

Beispielsweise kann die Main Work einer Übung mit 5×10 einer anderen Grundbewegung kombiniert werden.

Wichtig ist deshalb weniger die Frage, welche Variante „echtes BBB“ ist.

Wichtiger ist:

Welches konkrete BBB-Programm führst du aus?

Ein einzelner Baustein sollte nicht aus einer vollständigen Vorlage herausgelöst und mit beliebigen anderen Teilen kombiniert werden.


BBB und FSL lösen ein ähnliches Problem unterschiedlich

Sowohl BBB als auch FSL geben dir nach der Hauptarbeit zusätzliche Wiederholungen der Grundbewegungen.

Die Art dieser Wiederholungen unterscheidet sich aber.

FSL 5×5

Weniger Wiederholungen pro Satz, höheres Gewicht.

Das eignet sich gut für qualitativ hochwertige zusätzliche Arbeit und ist häufig leichter zu regenerieren.

BBB 5×10

Mehr Wiederholungen pro Satz, leichteres Gewicht und deutlich mehr lokale Ermüdung.

Wendler beschreibt selbst, dass BBB tendenziell stärker in Richtung Muskelaufbau wirkt, während 5×5 FSL leichter zu regenerieren ist.

Das heißt nicht:

FSL = Kraft und BBB = Hypertrophie.

Beide können Kraft und Muskelaufbau unterstützen.

Der Unterschied liegt eher darin, wie der Trainingsreiz erzeugt wird und was er an Erholung kostet.


Assistance: BBB braucht keine zweite Bodybuilding-Einheit dahinter

Hier passiert wahrscheinlich der häufigste Fehler.

Nach:

  • Main Work
  • 5×10 Grundübung

fühlt sich ein Training für manche noch „unvollständig“ an.

Also folgen:

Beinpresse.

Ausfallschritte.

Beinstrecker.

Beinbeuger.

Waden.

Vielleicht noch ein Finisher.

Das Problem ist nicht, dass diese Übungen schlecht wären.

Das Problem ist die Gesamtrechnung.

BBB hat bereits bewusst viel Supplemental Volume eingebaut.

Wendlers veröffentlichte BBB-Challenge hält die übrige Assistance deshalb vergleichsweise zurück. Supplemental Work soll der zentrale Volumenblock bleiben und nicht der Auftakt zu einer weiteren kompletten Hypertrophie-Einheit sein.

Eine sinnvolle Frage lautet daher:

Welche Bewegung fehlt meinem Training noch?

und nicht:

Welche Übung könnte ich noch irgendwie hinzufügen?


Warum BBB und Kaloriendefizit eine schwierige Kombination sein können

Muskelaufbauprogramme funktionieren nicht plötzlich überhaupt nicht, sobald du weniger Kalorien isst.

Aber die Rechnung verändert sich.

Ein hohes Trainingsvolumen erhöht die Anforderungen an deine Regeneration, während ein deutliches Kaloriendefizit die verfügbaren Ressourcen reduziert.

Das bedeutet nicht, dass BBB während einer Diät verboten wäre.

Es bedeutet:

Du solltest die Belastung besonders kritisch gegen deine Erholung abgleichen.

Wenn das Hauptziel gerade Gewichtsverlust ist und du dich von 5×10 Kniebeugen kaum noch erholst, bringt es wenig, BBB aus Prinzip weiter zu erzwingen.

Das Programm ist ein Werkzeug, kein Loyalitätstest.


BBB ist nicht automatisch ein Dauerzustand

Eine der interessanteren Entwicklungen im späteren 5/3/1-System ist die Idee, unterschiedliche Trainingsschwerpunkte bewusst abzuwechseln.

BBB kann beispielsweise in einer Phase sinnvoll sein, in der Supplemental Volume stärker im Vordergrund steht.

Danach kann eine Phase folgen, in der dieses Volumen zurückgenommen und die Intensität wieder stärker betont wird.

Das verhindert, dass aus

„BBB funktioniert gut“

die Schlussfolgerung wird:

„Dann sollte ich für immer BBB machen.“

Training muss nicht jede Woche gleich aussehen, um konsistent zu sein.


Ein praktisches Beispiel

Angenommen:

Kniebeugen-TM = 140 kg

Deine Main Work in Woche 1:

  • 90 kg × 5
  • 105 kg × 5
  • 120 kg × 5+

Danach BBB bei 50 %:

70 kg × 10 × 5

Die ersten zwei Sätze fühlen sich leicht an.

Der dritte wird spürbar.

Beim vierten merkst du die Ermüdung.

Der fünfte ist anstrengend, bleibt aber technisch sauber.

Das ist vollkommen plausibel.

Du musst aus den 70 kg nicht sofort 85 kg machen, nur weil Satz 1 leicht war.

Wenn du sechs Wochen später dieselbe Struktur mit einem etwas höheren Training Max sauber bewältigst, ist bereits Progression passiert.


BBB in hitPR

In hitPR wird die volumenorientierte 5/3/1-Struktur über die Wellenperiodisierung (Volumen) abgebildet.

Der Plan kombiniert:

  • 5/3/1-basierte Hauptarbeit
  • 5×10 Supplemental Work
  • ein konservatives Ausgangsgewicht für den Volumenblock
  • Assistance
  • eine zyklische Entwicklung des Training Max

Dadurch können Main Work und 5×10 getrennt verfolgt werden.

Das ist gerade bei BBB interessant: Ein erfolgreiches Training besteht nicht nur daraus, dass dein schwerster Satz steigt.

Auch fünfzig sauber absolvierte Wiederholungen mit einem langfristig steigenden Gewicht sind Progression.


Fazit

Boring But Big ist einfach aufgebaut, aber nicht beliebig.

Die wichtigsten Punkte:

  • BBB bedeutet 5×10 Supplemental Work nach der Hauptarbeit.
  • 50 % TM sind ein sinnvoller und von Wendler verwendeter Ausgangspunkt.
  • Höhere Prozentsätze existieren, müssen aber im Kontext des jeweiligen Programms betrachtet werden.
  • Die bekannte 50/60/70-%-Challenge reduziert dafür bewusst die Intensität der Main Work.
  • Beurteile das Gewicht nicht nach Satz 1, sondern nach der Qualität aller fünf Sätze und deiner anschließenden Erholung.
  • FSL und BBB sind keine einfachen Synonyme für „Kraft“ und „Muskelaufbau“ – sie verteilen Volumen, Gewicht und Ermüdung unterschiedlich.
  • Mehr Assistance ist bei BBB nicht automatisch besser.
  • Ein gutes BBB-Workout soll dich fordern, aber nicht den Rest deiner Trainingswoche zerstören.

Das eigentliche Ziel lautet deshalb nicht:

möglichst schwere 5×10.

Sondern:

möglichst produktive 5×10, von denen du dich noch erholen kannst.

Quellen

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