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Hyrox Trainingsplan: Kraft und Ausdauer kombinieren
HYROX ist kein Kraftwettkampf mit etwas Laufen dazwischen.
Und es ist auch kein 8-km-Lauf mit acht kurzen Unterbrechungen.
Die eigentliche Anforderung entsteht aus der Kombination: Du läufst wiederholt einen Kilometer, gehst mit erhöhter Herzfrequenz direkt in eine Station und musst danach wieder laufen.
Genau deshalb reicht ein Trainingsplan aus „2× Kraft + 3× Joggen“ nur begrenzt aus.
Du brauchst drei Dinge:
- genügend Laufleistung,
- genügend Kraft und lokale Belastungstoleranz für die Stationen,
- die Fähigkeit, beides unter Vorermüdung miteinander zu verbinden.
Das aktuelle HYROX-Format
Das Singles-Format besteht aus acht 1-km-Läufen, jeweils gefolgt von einer Station.
Die Reihenfolge ist fest:
- SkiErg – 1.000 m
- Sled Push – 50 m
- Sled Pull – 50 m
- Burpee Broad Jumps – 80 m
- Rowing – 1.000 m
- Farmers Carry – 200 m
- Sandbag Lunges – 100 m
- Wall Balls – 100 Wiederholungen
Die offiziellen Gewichte der Saison 2025/26 sind:
| Station | Open Männer | Open Frauen | Pro Männer | Pro Frauen |
|---|---|---|---|---|
| SkiErg | 1.000 m | 1.000 m | 1.000 m | 1.000 m |
| Sled Push | 152 kg | 102 kg | 202 kg | 152 kg |
| Sled Pull | 103 kg | 78 kg | 153 kg | 103 kg |
| Burpee Broad Jumps | 80 m | 80 m | 80 m | 80 m |
| Rowing | 1.000 m | 1.000 m | 1.000 m | 1.000 m |
| Farmers Carry | 2×24 kg | 2×16 kg | 2×32 kg | 2×24 kg |
| Sandbag Lunges | 20 kg | 10 kg | 30 kg | 20 kg |
| Wall Balls | 6 kg × 100 | 4 kg × 100 | 9 kg × 100 | 6 kg × 100 |
Schlittengewichte inklusive Schlitten. Regeln und Gewichte können sich zwischen Saisons ändern; vor dem Wettkampf immer das aktuelle offizielle Rulebook prüfen.
Diese Tabelle korrigiert einen häufigen Fehler: Pro Frauen ziehen beim Sled Pull 103 kg inklusive Schlitten, nicht 78 kg.
Was ist der wichtigste Leistungsfaktor?
Die wissenschaftliche HYROX-Literatur ist noch jung.
Eine Studie aus 2025 untersuchte elf erfahrene Freizeitathleten in einer simulierten Open-HYROX. Die Läufe beanspruchten im Median rund 51 Minuten, die Stationen rund 33 Minuten. Schnellere Gesamtzeiten waren unter anderem mit höherer VO₂max und mehr Ausdauertrainingsvolumen verbunden.
Das ist eine kleine Stichprobe und kein endgültiges Leistungsmodell.
Trotzdem passt das Ergebnis zur Wettkampfstruktur: Ein großer Teil deiner Rennzeit entsteht beim Laufen.
Das bedeutet nicht, dass Sleds und Wall Balls unwichtig sind. Eine schwache Station kann viel Zeit kosten und vor allem den nächsten Lauf ruinieren.
Aber wenn du acht Kilometer insgesamt deutlich schneller laufen kannst, wirkt sich das über das gesamte Rennen aus.
HYROX ist Concurrent Training – aber Interferenz wird oft übertrieben
Kraft und Ausdauer gleichzeitig zu trainieren wird als Concurrent Training bezeichnet.
Die alte Erzählung lautet oft:
Ausdauer aktiviert AMPK, AMPK hemmt mTOR, also verhindert Laufen Muskel- und Kraftaufbau.
Als Mechanismus ist das interessant. Als Trainingsregel ist es zu grob.
Eine aktualisierte Meta-Analyse mit 43 Studien fand im Mittel keinen relevanten Nachteil für Maximalkraft oder Ganzmuskel-Hypertrophie, wenn Ausdauer und Kraft kombiniert wurden.
Empfindlicher war Explosivkraft. Dieser Nachteil war besonders sichtbar, wenn Kraft und Ausdauer direkt in derselben Session absolviert wurden.
Für HYROX folgt daraus nicht, dass du alle Reize maximal trennen solltest.
Denn der Wettkampf selbst verlangt genau die Fähigkeit, nach Belastung weiterzulaufen.
Du brauchst deshalb zwei Arten von Training:
- getrennte Qualitätsarbeit, damit Lauf- und Kraftleistung sich entwickeln,
- gezielte kombinierte Einheiten, damit du die Wettkampfübergänge lernst.
Wie viel Trennung ist sinnvoll?
Wenn eine Einheit ein klares Qualitätsziel hat, solltest du die andere Trainingsform möglichst wenig davor ermüden.
Beispiele:
- schwere Kniebeugen → nicht vorher harte Laufintervalle
- wichtige 1-km-Intervalle → nicht direkt nach maximalem Beinvolumen
Wenn du beides am selben Tag trainierst, können mehrere Stunden Abstand sinnvoll sein.
Es gibt aber keine magische Regel, dass genau sechs oder 24 Stunden nötig sind.
Und an einem HYROX-spezifischen Tag ist die Vorermüdung Absicht.
Ein Brick wie
1 km Run → Sled Push → 1 km Run
soll gerade trainieren, wie du nach einer Station wieder in dein Lauftempo findest.
Krafttraining bleibt wichtig
Ein häufiger Fehler ist, in der Wettkampfvorbereitung alle schweren Grundübungen durch leichte Zirkel zu ersetzen.
Damit trainierst du viel Ermüdung – aber nicht unbedingt die Kraftreserve, die schwere Stationen leichter macht.
Krafttraining mit höheren Lasten kann bei Ausdauerathleten außerdem die Running Economy verbessern. Neuere Meta-Analysen zeigen kleine, aber relevante Vorteile besonders durch schwere Kraftmethoden und kombinierte Kraftansätze.
Für HYROX heißt das:
Du brauchst nicht den maximalen Powerlifting-Total.
Aber eine solide Kraftbasis macht:
- Sled Push/Pull relativ leichter,
- Farmers Carry stabiler,
- Lunges kontrollierbarer,
- Wall Balls weniger kraftlimitierend.
Wie stark musst du sein?
Es gibt keine wissenschaftlich validierten HYROX-Kraftbenchmarks wie „1,5× Körpergewicht Kniebeuge = wettkampftauglich“.
Solche Zahlen können als Community-Heuristik Spaß machen, sind aber keine harte Leistungsgrenze.
Für die Vorbereitung sind aufgabenspezifische Fragen sinnvoller:
- Kannst du den Wettkampfschlitten auf einer vergleichbaren Oberfläche kontrolliert bewegen?
- Kannst du die Farmers-Carries mit Wettkampfgewicht ohne Griffkollaps absolvieren?
- Kannst du 100 m Sandbag Lunges technisch stabil aufteilen?
- Welche Wall-Ball-Satzgrößen kannst du unter hoher Herzfrequenz reproduzieren?
- Wie stark fällt dein 1-km-Tempo nach einer Station ab?
Das sind näher am Rennen liegende Leistungsmarker als eine einzelne Kniebeugenquote.
Training nach Ausgangslage
Du kommst aus dem Laufen
Dein Engpass ist wahrscheinlich weniger die aerobe Basis als Kraftreserve und Stationsökonomie.
Sinnvoll:
- 2 Laufqualitäten pro Woche erhalten
- 2–3 Kraft-/Stationssessions aufbauen
- schwere Grundbewegungen lernen
- Sleds, Carries, Lunges und Wall Balls technisch üben
Bei Kraftübungen hilft Progressive Overload, aber du musst nicht jede Woche stumpf 5 kg addieren. Saubere Wiederholungen und kontrollierte Belastungssteigerung sind wichtiger.
Du kommst aus dem Krafttraining
Dein Engpass ist häufig das wiederholte Laufen unter Vorermüdung.
Sinnvoll:
- Laufvolumen über Wochen aufbauen, nicht sofort drei harte Einheiten starten
- zunächst eine lockere, eine qualitative und später eine spezifische Laufeinheit
- Krafttraining auf 2 hochwertige Tage konzentrieren
- schwere Arbeit behalten, unnötiges Hypertrophievolumen reduzieren
Zone-2-Arbeit kann den Umfang erhöhen, ohne jede Laufeinheit hart zu machen.
Du bist in beidem Einsteiger
Dann brauchst du zuerst Basis statt maximale Spezifität.
Ein Ganzkörperplan mit zwei bis drei Krafttagen plus zwei lockeren Lauf-/Cardioeinheiten ist oft sinnvoller als sofort jede HYROX-Station in einen Zirkel zu packen.
Erst wenn du Laufen und Grundbewegungen einzeln verträgst, lohnt sich mehr Kombination.
Ein 12-Wochen-Template
Die folgende Struktur ist kein wissenschaftlich validierter HYROX-Masterplan. Sie ist ein praxisnahes Template, das Trainingsprinzipien aus Ausdauer-, Kraft- und Concurrent-Training zusammenführt.
Phase 1: Basis – Wochen 1 bis 4
Ziel: aerobe Grundlage, Kraftbasis und technische Stationskompetenz.
| Tag | Training |
|---|---|
| Mo | Ganzkörper Kraft A |
| Di | lockerer Lauf 35–50 Min |
| Mi | frei |
| Do | Ganzkörper Kraft B + kurze Stations-Technik |
| Fr | frei oder 20–30 Min sehr locker |
| Sa | Lauf: moderat/lang, 45–65 Min |
| So | frei |
Kraftfokus:
- Kniebeugen- oder Split-Squat-Variante
- Hinge
- horizontales/vertikales Drücken
- Ziehen
- Carries
Noch keine wöchentlichen Vollsimulationen.
Phase 2: Entwicklung – Wochen 5 bis 8
Ziel: Laufleistung erhöhen und Stationen unter kontrollierter Vorermüdung verbinden.
| Tag | Training |
|---|---|
| Mo | Kraft Unterkörper + Carry/Sled |
| Di | Laufintervalle, z. B. 5–6 × 1 km |
| Mi | frei oder sehr locker |
| Do | Kraft Oberkörper + Wall Balls/SkiErg |
| Fr | HYROX-Brick: 3–5 Lauf-/Stationsblöcke |
| Sa | lockerer Dauerlauf 45–60 Min |
| So | frei |
Wichtig: Nicht jede Station muss jede Woche maximal belastet werden.
Brick-Einheiten sollen Übergänge trainieren, nicht jede Woche einen halben Wettkampf simulieren.
Phase 3: Spezifisch – Wochen 9 bis 11
Ziel: Race Pace, kompromittiertes Laufen und Wettkampfökonomie.
| Tag | Training |
|---|---|
| Mo | Kraft Erhaltung, niedriges Volumen |
| Di | 1-km-Intervalle nahe geplantem Race Pace |
| Mi | frei |
| Do | HYROX-spezifische Kombination, 4–6 Blöcke |
| Fr | frei oder sehr locker |
| Sa | längere spezifische Session oder Simulationsteil |
| So | frei |
Eine fast vollständige Simulation kann hier sinnvoll sein – aber nicht zwangsläufig jede Woche.
Für viele Athleten reichen ein bis zwei größere Simulationen im spezifischen Block, mit genügend Abstand zum Wettkampf.
Woche 12: Taper
Ziel ist nicht mehr Fitness aufzubauen, sondern vorhandene Leistung frisch abrufbar zu machen.
Praktisch:
- Gesamtvolumen deutlich reduzieren
- kurze Race-Pace-Reize behalten
- Kraftintensität teilweise erhalten, Volumen senken
- keine ermüdende Vollsimulation mehr
- letzte Tage individuell nach Erfahrung gestalten
Ein pauschales „Mittwoch und Donnerstag komplett frei, Freitag Aktivierung“ ist keine universelle Regel. Dein Wettkampftag, Trainingsalter und deine Reaktion auf Pausen entscheiden mit.
Drei Laufarten, die im Plan unterschiedliche Aufgaben haben
Lockerer Lauf
Baut Umfang auf und ist vergleichsweise gut regenerierbar.
Schwelle / kontrolliert hart
Verbessert die Fähigkeit, längere Zeit nahe hoher nachhaltiger Intensität zu arbeiten.
1-km- und kompromittierte Intervalle
Trainieren die eigentliche Wettkampfspezifik: Tempo wiederfinden, obwohl eine Station davor liegt.
Nur harte Intervalle zu laufen ist deshalb genauso unvollständig wie nur Zone 2.
Typische Fehler
Zu viele „HYROX Workouts“
Wenn jede Einheit aus Laufen + Sled + Burpees + Wall Balls besteht, fehlt irgendwann hochwertige Einzelarbeit.
Spezifität ist wichtig. Dauernde Vorermüdung ist nicht dasselbe wie gute Spezifität.
Schweres Krafttraining komplett streichen
Kraftreserve bleibt wertvoll – auch wenn du in der Wettkampfphase weniger Sätze brauchst.
Laufen unterschätzen
In der bislang verfügbaren HYROX-Studie machte Laufen den größeren Anteil der Gesamtzeit aus und höhere VO₂max hing mit schnelleren Zeiten zusammen.
Ein Athlet, der jede Station ordentlich kann, aber acht langsame Kilometer läuft, lässt sehr viel Zeit liegen.
Jede Woche volle Simulation
Eine Simulation ist ein Test und ein spezifischer Reiz. Sie ist aber teuer in der Erholung und liefert nicht automatisch mehr Fortschritt als gezieltes Training einzelner Komponenten.
Fortschritt sinnvoll verfolgen
HYROX hat mehrere Leistungsdimensionen. Deshalb lohnt sich mehr als nur die Endzeit einer Simulation.
Tracke zum Beispiel:
- 1-km-Pace frisch
- 1-km-Pace nach Stationen
- Sled-Zeit bei Wettkampfgewicht
- Wall-Ball-Satzgrößen und Pausen
- Farmers-Carry-Unterbrechungen
- Kraftwerte in 2–4 Hauptübungen
- subjektive Belastung
Wenn deine Laufleistung steigt und deine Kraft stabil bleibt, funktioniert Concurrent Training für dich gerade gut.
Wenn beides über Wochen sinkt, ist die sinnvollere Reaktion nicht automatisch „mehr Härte“, sondern eine Überprüfung des Gesamtvolumens.
Fazit
Ein guter HYROX-Plan maximiert nicht gleichzeitig Laufen, Kraft, Stationen und Simulationen.
Er verteilt Prioritäten.
Die wichtigsten Punkte:
- Laufen ist ein zentraler Leistungsfaktor.
- Krafttraining bleibt sinnvoll und kann sogar die Laufökonomie unterstützen.
- Concurrent Training verhindert Maximalkraft oder Muskelaufbau nicht automatisch.
- getrennte Qualitätssessions und gezielte kombinierte Einheiten erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
- eine 12-Wochen-Struktur ist ein praktischer Rahmen, keine wissenschaftliche Mindestdauer.
- vollständige Simulationen sind Werkzeuge, nicht der gesamte Trainingsplan.
HYROX-spezifisch wirst du nicht dadurch, dass jede Einheit chaotisch hart ist.
Du wirst spezifisch, indem du Laufen, Kraft und Stationen erst entwickelst – und sie dann gezielt unter Wettkampfbedingungen zusammenführst.
Quellen
- HYROX (2025/26). Official HYROX Singles Rulebook, Season 2025/26 and official race format.
- Brandt T et al. (2025). Acute Physiological Responses and Performance Determinants in HYROX – a New Running-Focused High Intensity Functional Fitness Trend. Frontiers in Physiology, 16:1519240.
- Schumann M et al. (2022). Compatibility of Concurrent Aerobic and Strength Training for Skeletal Muscle Size and Function: An Updated Systematic Review and Meta-Analysis. Sports Medicine, 52(3):601-612.
- Lundberg TR et al. (2022). The Effects of Concurrent Aerobic and Strength Training on Muscle Fiber Hypertrophy: A Systematic Review and Meta-Analysis. Sports Medicine, 52(10):2391-2403.
- Llanos-Lagos C et al. (2024). Effect of Strength Training Programs in Middle- and Long-Distance Runners’ Economy at Different Running Speeds: A Systematic Review with Meta-Analysis. Sports Medicine, 54(4):895-932.
- Blagrove RC et al. (2018). Effects of Strength Training on the Physiological Determinants of Middle- and Long-Distance Running Performance: A Systematic Review. Sports Medicine.
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