Skip to content
Weite Ansicht einer Functional-Fitness-Halle mit Athletin beim Sled Push auf Kunstrasen

Hyrox Trainingsplan: Kraft und Ausdauer kombinieren

· Chris · 11 Min. Lesezeit

Hyrox ist der am schnellsten wachsende Fitness-Wettkampf der Welt — über 650.000 Teilnehmer in 2025, 80+ Events in 31 Ländern. 8 Kilometer Laufen, unterbrochen von 8 funktionellen Stationen — das klingt nach einem simplen Konzept. Die Trainingsplanung dahinter ist es nicht.

Das Problem: Die meisten Hyrox-Trainingspläne im Netz sind generische Wochenpläne ohne wissenschaftliche Grundlage. Kein Wort über den Interferenz-Effekt. Keine Periodisierung. Keine Individualisierung. Dieser Artikel macht es anders.

Was ist Hyrox?

Hyrox wurde 2017 von Moritz Fürste und Christian Toetzke gegründet und kombiniert Laufen mit funktionellen Kraftübungen. Der Wettkampf folgt einem festen Format: 8 Runden, jede bestehend aus 1 km Laufen + einer Workout-Station.

Die Reihenfolge ist immer gleich. Die Gewichte variieren je nach Division (Open, Pro, Doubles, Relay).

Die 8 Stationen im Detail

StationÜbungOpen MännerOpen FrauenPro MännerPro Frauen
1SkiErg1000 m1000 m1000 m1000 m
2Sled Push50 m, 152 kg50 m, 102 kg50 m, 202 kg50 m, 152 kg
3Sled Pull50 m, 103 kg50 m, 78 kg50 m, 153 kg50 m, 78 kg
4Burpee Broad Jumps80 m80 m80 m80 m
5Rowing1000 m1000 m1000 m1000 m
6Farmers Carry200 m, 2×24 kg200 m, 2×16 kg200 m, 2×32 kg200 m, 2×24 kg
7Sandbag Lunges100 m, 20 kg100 m, 10 kg100 m, 30 kg100 m, 20 kg
8Wall Balls100 Reps, 6 kg100 Reps, 4 kg100 Reps, 9 kg100 Reps, 6 kg

Gewichte inkl. Schlittengewicht. Zielwurf-Höhe Wall Balls: Männer 3,0 m, Frauen 2,7 m. Gewichte können sich zwischen Saisons ändern — aktuelle Werte auf hyrox.com prüfen (Stand: Saison 2025/26).

Die Stationen sind einzeln nicht das Problem. Das Problem ist, sie nach 1 km Laufen auszuführen — und danach wieder zu laufen. 8 Mal.

Das zentrale Problem: Der Interferenz-Effekt

Hier trennt sich ein fundierter Hyrox-Plan von den generischen Wochenplänen.

Was ist der Interferenz-Effekt?

Wenn du gleichzeitig Kraft und Ausdauer trainierst, konkurrieren zwei gegensätzliche Anpassungsprozesse in deinem Körper. Das ist der Interferenz-Effekt.

Eine der ersten Studien dazu (Hickson, 1980) verglich drei Gruppen: nur Kraft, nur Ausdauer, beides. Ergebnis: Die Concurrent-Training-Gruppe erreichte in den ersten 7 Wochen normale Kraftzuwächse. Ab Woche 7 stagnierten die Kraftwerte — und begannen zu sinken. Die Ausdauerleistung blieb davon unberührt.

Das heißt: Ausdauertraining stört die Kraftentwicklung. Nicht umgekehrt.

Warum passiert das? AMPK vs. mTOR

Die molekulare Erklärung (vereinfacht):

mTOR ist der zentrale Signalweg für Muskelaufbau. Krafttraining aktiviert mTOR → Muskelproteinsynthese steigt → Muskeln wachsen.

AMPK ist der Energiesensor deiner Zellen. Ausdauertraining aktiviert AMPK → dein Körper wird effizienter im Energieverbrauch → Ausdauer verbessert sich.

Das Problem: AMPK hemmt mTOR. Wenn du Ausdauer trainierst, drückst du gleichzeitig den Schalter für Muskelaufbau herunter. Je intensiver und häufiger das Ausdauertraining, desto stärker die Hemmung.

Was bedeutet das konkret für Hyrox?

Eine Meta-Analyse über 21 Studien zum Concurrent Training zeigt:

  • Laufen verursacht mehr Interferenz als Radfahren. Das ist relevant, weil Hyrox ein laufbasierter Wettkampf ist.
  • Je häufiger das Ausdauertraining (>3×/Woche), desto stärker die Interferenz. Drei Laufeinheiten pro Woche sind ein Kipppunkt.
  • Hypertrophie und Schnellkraft leiden stärker als Maximalkraft. Du verlierst eher Muskelmasse als reine Kraft — aber beides ist möglich.

Update: Neuere Meta-Analysen relativieren den Effekt

Neuere Daten haben das Bild verfeinert. Eine Meta-Analyse über 43 Studien mit 1.090 Probanden zeigt: Concurrent Training führt nicht zu deutlich geringeren Kraft- oder Hypertrophie-Zuwächsen im Vergleich zu reinem Krafttraining. Wo die Interferenz messbar bleibt: bei Explosivkraft und Power — also Sprungkraft, Schnelligkeit, Explosivität.

Interessant für Hyrox: Die Interferenz fällt bei Frauen geringer aus als bei Männern, und bei Untrainierten stärker als bei Trainierten. Wer also schon eine solide Kraftbasis hat, kann Concurrent Training besser tolerieren.

Das heißt: Hyrox-Training macht Kraft nicht unmöglich — aber es erfordert intelligente Planung.

Wie du den Interferenz-Effekt minimierst

Es gibt klare Strategien:

1. Trennung der Einheiten

Der optimale Abstand zwischen Kraft- und Ausdauereinheiten wurde mehrfach untersucht:

  • 24 Stunden Trennung = am wenigsten Interferenz
  • 6 Stunden Trennung = akzeptabel, wenn nötig
  • Gleiche Session = maximale Interferenz

Praxis: Lauf morgens, Kraft abends — oder besser: an verschiedenen Tagen.

2. Kraft vor Ausdauer

Wenn du in derselben Session beides machen musst, trainiere zuerst Kraft. Langfristig macht die Reihenfolge wenig Unterschied — aber kurzfristig ist die Kraftleistung besser, wenn sie nicht durch vorheriges Laufen kompromittiert wird.

3. Laufvolumen kontrollieren

Ausdauertraining >3×/Woche erhöht die Interferenz deutlich. Für die meisten Hyrox-Athleten sind 2-3 gezielte Laufeinheiten pro Woche optimal. Mehr hilft nicht proportional — es schadet der Kraft.

4. Schweres Krafttraining beibehalten

Ein häufiger Fehler: Im Hyrox-Training werden schwere Compound-Übungen durch leichte Zirkeltrainings ersetzt. Das Gegenteil ist richtig:

Schweres Krafttraining (nicht Kraftausdauer-Training) verbessert die Laufökonomie — ohne die Körpermasse zu erhöhen. Der Effekt liegt bei 2-8% besserer Running Economy.

Kniebeuge, Kreuzheben und Schulterdrücken gehören in jeden Hyrox-Plan. Nicht als 20er-Sätze, sondern als 3-5er-Sätze mit schwerem Gewicht.

Training nach deinem Ausgangspunkt

Der größte Fehler der meisten Hyrox-Pläne: Sie behandeln alle gleich. Ein Läufer, der noch nie eine Kniebeuge gemacht hat, braucht ein komplett anderes Programm als ein Kraftsportler, der beim Treppensteigen außer Atem kommt.

Vom Läufer zum Hyrox-Athleten

Deine Stärke: Ausdauer. Die 8 km Laufen sind kein Problem. Du kannst dein Laufvolumen reduzieren, ohne Leistung zu verlieren.

Dein Defizit: Kraft. Sled Push, Farmers Carry und Lunges mit Gewicht werden deine Schwachstellen sein.

Strategie:

  • Laufvolumen auf 2 Einheiten/Woche reduzieren (1× lang/locker, 1× Intervalle)
  • 3 Krafteinheiten/Woche hinzufügen mit Fokus auf Grundübungen
  • Schwerpunkt: Kniebeuge, Kreuzheben, Schulterdrücken, Rudern
  • Progressive Overload ist dein Freund — steigere systematisch
  • Stationsspezifisches Training 1×/Woche (Sled, Wall Balls, Farmers Carry)

Vom Kraftsportler zum Hyrox-Athleten

Deine Stärke: Die Stationen. Sled Push mit 152 kg? Farmers Carry mit 2×24 kg? Kein Problem.

Dein Defizit: Ausdauer. 8 km Laufen — und dazwischen noch Leistung bringen. Dein Herz-Kreislauf-System ist der limitierende Faktor.

Strategie:

  • 3 Laufeinheiten/Woche aufbauen (1× lang/locker, 1× Tempo, 1× Intervalle)
  • Krafttraining auf 2 Einheiten/Woche reduzieren — aber schwer halten
  • Nicht in die “leichte Gewichte, viele Wiederholungen”-Falle tappen
  • Kraftwerte im Auge behalten — wenn die Kniebeuge über Wochen sinkt, ist das Laufvolumen zu hoch
  • Stationsspezifisches Training in die Laufeinheiten integrieren (Brick Workouts)

Vom Einsteiger zum Hyrox-Athleten

Deine Ausgangslage: Weder besonders stark noch besonders ausdauernd. Das ist kein Nachteil — du hast das größte Verbesserungspotenzial.

Strategie:

  • Erst Basis aufbauen: 4 Wochen Ganzkörper-Kraft (3×/Woche) + leichtes Laufen (2×/Woche)
  • Dann spezialisieren: 8 Wochen Hyrox-spezifisches Training (siehe Block-Periodisierung unten)
  • Fokus auf Konsistenz statt Intensität
  • Ganzkörper-Training eignet sich perfekt für die Basisphase

Block-Periodisierung: Der 12-Wochen-Plan

Generische Hyrox-Pläne haben ein gemeinsames Problem: Sie sind 8-12 Wochen lang identisch. Jede Woche dasselbe. Das ignoriert ein grundlegendes Prinzip der Trainingswissenschaft: Periodisierung.

Block-Periodisierung — die Konzentration auf wenige Trainingsziele pro Phase — für Athleten mit mehreren Leistungsanforderungen überlegen ist. Genau das trifft auf Hyrox zu.

Phase 1: Akkumulation (Wochen 1-4)

Ziel: Aerobe Basis aufbauen, allgemeine Kraft und Hypertrophie entwickeln.

TagInhalt
MoKraft: Ganzkörper A (Kniebeuge 4×6, Bankdrücken 4×6, Rudern 4×8)
DiLaufen: Lockerer Dauerlauf 30-40 Min (Zone 2, Naseneatmung möglich)
MiKraft: Ganzkörper B (Kreuzheben 4×5, Schulterdrücken 4×6, Klimmzüge 4×8)
DoPause oder leichte Mobilität
FrKraft: Ganzkörper C (Frontkniebeuge 3×8, Dips 3×8, Facepulls 3×15)
SaLaufen: Langer Lauf 45-60 Min (Zone 2)
SoPause

Kraftprogression: Wöchentlich +2,5 kg bei Oberkörper, +5 kg bei Unterkörper (wenn alle Reps sauber geschafft).

Laufprogression: Jede Woche 5 Minuten länger beim Dauerlauf. Tempo ist irrelevant — Zone 2 halten.

Phase 2: Transmutation (Wochen 5-8)

Ziel: Maximalkraft entwickeln, Lauftempo verbessern, stationsspezifisch trainieren.

TagInhalt
MoKraft: Unterkörper (Kniebeuge 5×3, RDL 4×5) + Farmers Carry 4×50 m
DiLaufen: Intervalle (6×800 m mit 90 Sek Pause)
MiKraft: Oberkörper (Bankdrücken 5×3, Rudern 5×5) + Wall Balls 3×20
DoLaufen: Tempo-Lauf 25-30 Min (Schwellentempo)
FrHyrox-spezifisch: SkiErg 1000 m + Sled Push/Pull + Burpee Broad Jumps
SaLaufen: Langer Lauf 50-65 Min (Zone 2)
SoPause

Kraftprogression: Niedrigere Reps, höheres Gewicht. Fokus auf Maximalkraft (3-5 Reps).

Laufprogression: Intervalle werden schneller (nicht länger). Tempo-Lauf-Pace um 5-10 Sek/km verbessern.

Phase 3: Realisation (Wochen 9-12)

Ziel: Wettkampfspezifik, Race-Pace-Training, Taper in Woche 12.

TagInhalt
MoKraft: Erhaltung (Kniebeuge 3×3, Bankdrücken 3×3 — 85-90% TM)
DiLaufen: Race-Pace-Intervalle (8×400 m im Ziel-Kilometerzeit-Tempo)
MiHyrox-Simulation: 4 Runden (4×1 km + 4 Stationen in Reihenfolge)
DoPause oder lockerer 20-Min-Lauf
FrKraft: Erhaltung (Kreuzheben 3×3, Schulterdrücken 3×3)
SaHyrox-Simulation: Voller Durchlauf (oder 6/8 Runden)
SoPause

Woche 12 (Taper):

  • Kraftvolumen um 40-50% reduzieren, Intensität beibehalten
  • Laufvolumen halbieren
  • Keine volle Simulation mehr — max. 4 Runden am Dienstag
  • Mittwoch und Donnerstag komplett pausieren
  • Freitag: Lockeres Aktivierungs-Workout (15 Min)
  • Samstag/Sonntag: Wettkampf

Kraft-Benchmarks: Wie stark musst du wirklich sein?

Die folgenden Werte stammen aus der Hyrox-Community und von Coaches — nicht aus Studien. Trotzdem geben sie eine brauchbare Orientierung für das Open-Division-Niveau:

BenchmarkMänner (kompetitiv)Frauen (kompetitiv)
Kniebeuge1,5× Körpergewicht1,2× Körpergewicht
Kreuzheben1,75× Körpergewicht1,4× Körpergewicht
Schulterdrücken0,7× Körpergewicht0,5× Körpergewicht
Wall Balls (am Stück)30+ Reps25+ Reps
5-km-Laufzeit<22:00<25:00
1-km-Laufzeit<4:00<4:30
SkiErg 1000 m<4:00<4:30
Rudern 1000 m<3:30<4:00

Wichtig: Diese Benchmarks sind Orientierungswerte aus der Community, keine wissenschaftlich validierten Schwellen.

Der Sled Push mit 152 kg erfordert erhebliche horizontale Kraft. Wenn deine Kniebeuge unter dem Körpergewicht liegt, wirst du an dieser Station kämpfen.

Laufleistung: Warum die Kilometer dazwischen entscheidend sind

Ein Fehler, den viele Hyrox-Neulinge machen: Sie fokussieren sich auf die Stationen und vernachlässigen das Laufen. Die Daten zeigen das Gegenteil.

Die Laufzeit macht 50-65% der Gesamtzeit aus. Bei den meisten Open-Division-Teilnehmern ist der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Platzierung primär die Laufgeschwindigkeit — nicht die Stationszeiten.

Das bedeutet nicht, dass Stationen egal sind. Es bedeutet: Wenn du 5 Stunden pro Woche trainierst, sollten mindestens 2-3 davon Lauftraining sein.

Gleichzeitig gibt es einen Paradox-Effekt: Krafttraining verbessert deine Laufleistung. Schweres Krafttraining (nicht leichtes Zirkeltraining) verbessert die Laufökonomie deutlich — um 2-8%.

Der Mechanismus: Stärkere Beine produzieren mehr Kraft pro Schritt → du brauchst weniger Energie pro Kilometer → du läufst effizienter. Stärkere Sehnen federn besser → weniger Energieverlust bei jedem Bodenkontakt.

Schwere Kniebeugen machen dich also nicht langsamer — sie machen dich effizienter.

Den Interferenz-Effekt im Auge behalten

Wenn du 3× pro Woche läufst und 2-3× Kraft trainierst, schwankt deine Kraftleistung — das ist normal bei Concurrent Training. Die entscheidende Frage: Stagniert deine Kraft über Wochen, oder ist es nur Tagesform?

Einfache Regel: Wenn deine Hauptübungen (Kniebeuge, Bankdrücken) über 3+ Wochen nicht steigen oder sogar sinken, obwohl du gut schläfst und isst — ist dein Laufvolumen wahrscheinlich zu hoch. Reduzieren und beobachten.

Fazit

Hyrox-Training ist Concurrent Training — und Concurrent Training erfordert Planung. Der Interferenz-Effekt ist real, Laufen stört Kraft mehr als Radfahren, und die meisten generischen Trainingspläne ignorieren das.

Die Lösung: Sessions trennen, schweres Krafttraining beibehalten, in Blöcken periodisieren. Nicht mehr, nicht weniger.


Quellen

  • Hickson RC (1980). Interference of strength development by simultaneously training for strength and endurance. Eur J Appl Physiol, 45(2-3):255-263.
  • Wilson JM et al. (2012). Concurrent training: A meta-analysis examining interference of aerobic and resistance exercises. JSCR, 26(8):2293-2307.
  • Fyfe JJ et al. (2014). Interference between concurrent resistance and endurance exercise. Sports Medicine, 44(6):743-762.
  • Baar K (2006). Training for endurance and strength: Lessons from cell signaling. Med Sci Sports Exerc, 38(11):1939-1944.
  • Murlasits Z et al. (2018). The physiological effects of concurrent strength and endurance training sequence. J Sports Sciences, 36(11):1212-1219.
  • Robineau J et al. (2016). Specific training effects of concurrent aerobic and strength exercises depend on recovery duration. JSCR, 30(3):672-683.
  • Aagaard P, Andersen JL (2010). Effects of strength training on endurance capacity in top-level endurance athletes. Scand J Med Sci Sports, 20(Suppl 2):39-47.
  • Beattie K et al. (2014). The effect of strength training on performance in endurance athletes. Sports Medicine, 44(6):845-865.
  • Issurin VB (2010). New horizons for the methodology and physiology of training periodization. Sports Medicine, 40(3):189-206.
  • Schoenfeld BJ et al. (2016). Effects of Resistance Training Frequency on Measures of Muscle Hypertrophy. Sports Medicine, 46(11):1689-1697.
  • Weakland AP et al. (2024). Concurrent Strength and Endurance Training: A Systematic Review and Meta-Analysis on the Impact of Sex and Training Status. Sports Medicine, 54:253-272.

Häufige Fragen

Teilen

Weiterlesen