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Frau atmet nach einem harten Satz am Rack aus, konzentrierter Gesichtsausdruck

RIR vs. RPE: Was ist der Unterschied — und was solltest du nutzen?

· Chris · 4 Min. Lesezeit

RPE und RIR sind zwei Systeme, um Trainingsintensität zu messen — ohne Prozentwerte, ohne 1RM-Test. Beide beschreiben, wie nah du am Muskelversagen trainierst. Der Unterschied ist kleiner als die meisten denken.

RPE erklärt

RPE steht für Rate of Perceived Exertion — subjektiv empfundene Anstrengung. Ursprünglich von Gunnar Borg als 6-20-Skala für Ausdauer entwickelt, wurde sie für Krafttraining auf eine 1-10-Skala adaptiert.

RPEBedeutung
10Muskelversagen — keine weitere Rep möglich
91 Rep mehr wäre möglich gewesen
82 Reps mehr wären möglich gewesen
73 Reps mehr wären möglich gewesen
64+ Reps mehr — leichtes Aufwärm-Feeling

RPE 8 bedeutet: “Ich hätte noch 2 Reps sauber geschafft, habe aber aufgehört.”

RIR erklärt

RIR steht für Reps in Reserve — Wiederholungen in Reserve. Es beschreibt direkt, wie viele Reps du noch hättest machen können.

RIRBedeutung
0Muskelversagen — keine Rep mehr möglich
11 Rep noch möglich
22 Reps noch möglich
33 Reps noch möglich
4+Leichte Anstrengung

RIR 2 bedeutet: “Ich hätte noch 2 Reps geschafft.”

RPE vs. RIR: Die Mapping-Tabelle

Die Umrechnung ist simpel:

RPERIRInterpretation
100Muskelversagen
9.50-1Vielleicht noch 1 Rep
911 Rep in Reserve
8.51-21-2 Reps in Reserve
822 Reps in Reserve
7.52-32-3 Reps in Reserve
733 Reps in Reserve

Formel: RPE = 10 − RIR

Das war’s. RPE 8 = RIR 2. RPE 9 = RIR 1. Zwei Seiten derselben Münze.

Zum Nachschlagen im Gym gibt es die RPE-Tabelle als eigene Seite — mit Beispielen, wie sich die Stufen anfühlen.

Wann RPE sinnvoller ist

RPE hat gegenüber RIR einen Vorteil: Die modifizierte RPE-Skala erlaubt Halbstufen (7.5, 8.5, 9.5). Das gibt dir mehr Granularität bei der Einschätzung.

RPE ist auch das etabliertere System in der Coaching-Literatur. Wenn dein Trainingsplan “3×8 @ RPE 8” vorschreibt, weiß jeder, was gemeint ist.

Nutze RPE, wenn:

  • Dein Programm RPE-Werte vorgibt
  • Du Halbstufen nutzen willst (8.5 statt “irgendwo zwischen RIR 1 und 2”)
  • Du mit einem Coach arbeitest, der RPE nutzt

Wann RIR sinnvoller ist

RIR ist konkreter und intuitiver für viele Lifter. “2 Reps in Reserve” ist leichter zu verstehen als “RPE 8” — besonders für Anfänger, die mit dem Borg-Konzept nicht vertraut sind.

Nutze RIR, wenn:

  • Du das Konzept “wie viele Reps hätte ich noch gekonnt?” intuitiver findest
  • Du Anfänger trainierst (die Frage “Wie viele Reps hättest du noch?” ist sofort verständlich)
  • Du effektive Sätze zählen willst (RIR 0-3 = effektiver Satz)

In der Praxis: Die meisten Programme nutzen beides

Hier ist die Wahrheit: In der Praxis verwenden die meisten Programme und Coaches RPE und RIR austauschbar. “3×8 @ RPE 8” und “3×8 @ RIR 2” sind identische Anweisungen.

Die Wahl zwischen RPE und RIR ist keine wissenschaftliche Entscheidung — es ist eine Präferenz. Beide Systeme:

  • Autoregulieren die Intensität (du passt das Gewicht an deine Tagesform an)
  • Vermeiden fixes Prozent-Training (das schlecht auf Tagesschwankungen reagiert)
  • Erfordern Übung und Kalibrierung (Anfänger überschätzen oft ihren RIR)

Das Wichtigste: Egal ob du RPE oder RIR nutzt — sei ehrlich mit dir selbst. Ein Satz, den du als “RPE 8” einträgst, obwohl du am Limit warst, verfälscht dein Tracking.

RPE vs. Prozente: Welches System ist besser?

RPE und RIR im Training loggen

Im Workout-Screen kannst du bei jedem Satz RPE oder RIR eintragen. Welches System du nutzt, ist dir überlassen — die Pläne in hitPR steuern die Progression über feste Regeln (AMRAP, Double Progression, Schema-Wechsel), nicht über RPE.

Der Nutzen vom Loggen: Du baust dir über die Zeit ein ehrliches Bild auf, wie sich dieselben Gewichte anfühlen. Das hilft bei der eigenen Einschätzung, ob du gut erholt bist oder ob der Alltag gerade reindrückt.

Fazit

RPE und RIR sind das gleiche Konzept in unterschiedlicher Verpackung. RPE 8 = RIR 2. Wähle das System, das dir intuitiver ist. Wichtiger als die Skala ist die Ehrlichkeit bei der Einschätzung — und die kommt mit Erfahrung.

Weiterführend:


Quellen

  • Zourdos MC et al. (2016). Novel Resistance Training-Specific Rating of Perceived Exertion Scale Measuring Repetitions in Reserve. Journal of Strength and Conditioning Research, 30(1):267-275.
  • Helms ER et al. (2018). RPE and Velocity Relationships for the Back Squat, Bench Press, and Deadlift in Powerlifters. Journal of Strength and Conditioning Research, 32(2):292-297.

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