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RPE & RIR: Trainingsintensität richtig steuern.

Versteh die beiden wichtigsten Skalen für subjektive Belastung — und warum sie dein Training besser machen als feste Prozente.

Die RPE-Skala (6-10)

RPE RIR
10 0
9.5 0-1
9 1
8.5 1-2
8 2
7.5 2-3
7 3
6 4+
RPE 10 = 0 RIR

Maximum — keine weitere Wiederholung möglich

Bankdrücken: 100kg, letzte Rep gerade so geschafft

RPE 9.5 = 0-1 RIR

Hättest vielleicht noch eine geschafft, unsicher

Noch eine Rep? Vielleicht. Aber eher nicht.

RPE 9 = 1 RIR

Noch 1 Wiederholung möglich gewesen

Kniebeuge: 120kg x 5, eine mehr wäre gegangen

RPE 8.5 = 1-2 RIR

Definitiv noch 1, vielleicht 2 Reps

Fordernd aber kontrolliert

RPE 8 = 2 RIR

Noch 2 Wiederholungen möglich gewesen

Kreuzheben: 140kg x 3, zwei mehr wären drin gewesen

RPE 7.5 = 2-3 RIR

Definitiv noch 2, vielleicht 3 Reps

Anstrengend, aber Speed war noch gut

RPE 7 = 3 RIR

Noch 3 Wiederholungen möglich gewesen

OHP: 50kg x 8, drei mehr kein Problem

RPE 6 = 4+ RIR

Aufwärm-Intensität, leichte Anstrengung

Wie ein Warmup-Satz mit etwas mehr Gewicht

Was ist RIR?

RIR steht für Reps in Reserve — wie viele Wiederholungen du noch hättest machen können. RPE 8 = 2 RIR bedeutet: Du hättest noch 2 Reps geschafft.

10 0
9 1
8 2
7 3
6 4+

RPE → RIR (Reps in Reserve)

Warum RPE besser ist als feste Prozente

Dein 1RM schwankt täglich — RPE passt sich an, Prozente nicht

An schlechten Tagen trainierst du leichter, an guten schwerer

Du lernst deinen Körper besser einzuschätzen

Weniger Verletzungsrisiko durch übermotivertes Ego-Lifting

Wie du RPE im Training nutzt

Statt '4 Sätze mit 80kg' planst du '4 Sätze mit RPE 8'. Das bedeutet: Du wählst ein Gewicht, bei dem du am Ende noch 2 Reps im Tank hast. An guten Tagen sind das 85kg, an schlechten 75kg. Dein Körper steuert — nicht die Tabelle.

Häufige Fehler

Ego-RPE: Du sagst 'RPE 8' aber es war eigentlich RPE 10. Sei ehrlich zu dir selbst.

Zu früh nutzen: Anfänger können RPE schlecht einschätzen. Erst nach 6+ Monaten Training sinnvoll.

Nur RPE 10: Wenn jeder Satz maximal ist, regenerierst du nicht. Die meisten Arbeitssätze sollten RPE 7-8 sein.

RPE im Krafttraining: Die wissenschaftliche Grundlage

Die RPE-Skala (Rate of Perceived Exertion) im Krafttraining basiert auf der Borg CR-10 Skala, adaptiert von Mike Tuchscherer für Powerlifting. Sie wird seit über 15 Jahren von Spitzenathleten und Coaches weltweit eingesetzt.

Eine Studie von Helms et al. (2018) verglich RPE-basiertes Training direkt mit prozentbasiertem Training bei erfahrenen Liftern. Das Ergebnis: Beide Methoden führten zu vergleichbaren Kraft- und Hypertrophie-Zuwachsen — aber die RPE-Gruppe trainierte mit weniger Gesamtvolumen und berichtete von weniger Erschöpfung. RPE kann also gleiche Ergebnisse mit weniger Aufwand liefern.

Der Schlüssel liegt in der Ehrlichkeit mit dir selbst. Anfänger (unter 1 Jahr Trainingserfahrung) schätzen ihre RPE regelmäßig um 2-3 Punkte falsch ein. Deshalb empfehlen die meisten Coaches, RPE erst nach mindestens 6 Monaten konsequentem Training einzusetzen. Bis dahin sind feste Prozente der sicherere Weg.

Für fortgeschrittene Lifter ist RPE ein unverzichtbares Werkzeug — besonders in Kombination mit prozentbasierten Programmen wie 5/3/1. Die Prozente geben Struktur, RPE gibt Flexibilität. Diese Kombination ist heute der Standard im modernen Krafttraining.

Quellen

  • Zourdos MC et al. (2016). Novel Resistance Training-Specific RPE Scale Measuring Repetitions in Reserve. JSCR, 30(1):267-275.
  • Helms ER et al. (2018). RPE and Velocity Relationships for the Back Squat, Bench Press, and Deadlift. JSCR, 32(2):292-297.
  • Tuchscherer M. Reactive Training Systems Manual.

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