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Was bedeutet PR im Krafttraining? Personal Records erklärt
„Heute einen PR getroffen“ klingt nach einer einzelnen schweren Wiederholung. Im Krafttraining ist der Begriff aber breiter.
Ein PR kann 120 kg für eine Wiederholung sein. Er kann genauso gut bedeuten, dass du 100 kg zum ersten Mal sechsmal statt fünfmal bewegst.
Gerade diese zweite Form ist im normalen Training oft interessanter.
Was heißt PR?
PR steht für Personal Record — persönliche Bestleistung. „Hitting a PR“ bedeutet schlicht, dass du eine eigene bisherige Leistung übertriffst.
PB (Personal Best) meint im Alltag dasselbe. Welche Abkürzung du häufiger hörst, hängt eher von Sportart, Community und Sprachraum ab als von einem inhaltlichen Unterschied.
Der entscheidende Punkt ist der Bezug: Ein PR vergleicht dich nicht mit einer Kraftstandard-Tabelle oder der Person auf der Nebenbank. Er vergleicht eine heutige Leistung mit deinen eigenen bisherigen Leistungen.
Deshalb kann ein scheinbar unspektakulärer Satz ein echter Fortschritt sein.
Die vier PR-Typen
Es gibt keine offizielle Kraftsport-Taxonomie, die exakt vier PR-Arten vorschreibt. Fürs Training und Tracking sind diese vier Kategorien aber praktisch:
| PR-Typ | Was er bedeutet | Beispiel |
|---|---|---|
| Gewichts-PR (1RM) | Höchstes Gewicht für 1 Wiederholung | 120 kg Kniebeuge statt 117,5 kg |
| Rep-PR | Mehr Wiederholungen bei gleichem Gewicht | 100 kg × 6 statt 100 kg × 5 |
| e1RM-PR | Höchster geschätzter 1RM-Wert aus einem Satz | ein Satz ergibt ein höheres e1RM als alle bisherigen |
| Volumen-PR | Höhere dokumentierte Gesamtarbeit nach einer definierten Kennzahl | 5 × 5 × 100 kg statt 5 × 5 × 97,5 kg |
Die ersten beiden sind echte direkt beobachtete Bestleistungen.
Ein e1RM-PR ist dagegen eine Schätzung. Und ein Volumen-PR hängt davon ab, wie du Volumen definierst. Mehr Tonnage ist nicht automatisch eine bessere Leistung, wenn dafür Übung, Wiederholungsbereich oder Satzanzahl völlig anders waren.
Die Kategorien helfen beim Einordnen. Sie sind nicht gleichwertig und nicht jede muss für dein Training wichtig sein.
Rep-PRs werden massiv unterschätzt
Wer nicht regelmäßig Maximalversuche macht, wird trotzdem ständig stärker. Rep-PRs machen genau diesen Fortschritt sichtbar.
Angenommen:
- letzte Woche: 100 kg × 5
- heute: 100 kg × 6
Das ist eine klare Leistungssteigerung bei derselben Last.
Aus Gewicht und Wiederholungen lässt sich zusätzlich ein estimated 1RM (e1RM) berechnen. Eine bekannte Formel ist Epley:
e1RM = Gewicht × (1 + Wiederholungen ÷ 30)
Damit ergeben sich ungefähr:
- 100 kg × 5 → e1RM ≈ 117 kg
- 100 kg × 6 → e1RM ≈ 120 kg
Rechnen musst du das nicht selbst: 1RM-Rechner.
Wichtig ist aber die Einordnung: Ein e1RM ist kein gemessenes Maximum. Solche Formeln beruhen auf Durchschnittsbeziehungen zwischen Last und möglichen Wiederholungen. Diese Beziehung unterscheidet sich zwischen Personen und Übungen, und die Streuung wird mit höheren Wiederholungszahlen relevanter.
Deshalb ist ein e1RM besonders als Verlaufswert nützlich.
Wenn dieselbe Formel bei derselben Übung aus vergleichbaren Sätzen über Monate von 117 auf 125 kg steigt, ist das ein gutes Signal. Ob du an diesem Tag wirklich exakt 125 kg für eine Wiederholung geschafft hättest, weiß die Formel trotzdem nicht.
Wie oft sind PRs realistisch?
Dafür gibt es keine sinnvolle universelle Frequenz.
- Anfänger: Bei linearer Progression entstehen neue Gewichts- oder Rep-PRs oft sehr häufig, weil sich Kraft und Technik schnell entwickeln.
- Fortgeschrittene: Bestleistungen verteilen sich eher über Trainingsblöcke. Ein neuer Rep-PR bei submaximalem Gewicht ist deutlich wahrscheinlicher als jede Woche ein neues 1RM.
- Weit Fortgeschrittene: Kleine Verbesserungen können lange dauern. Dann werden Rep-PRs, e1RM-Trends und Wettkampfleistungen als Verlaufskontrolle umso interessanter.
Programme können solche Gelegenheiten bewusst einbauen. 5/3/1 nutzt im klassischen Schema beispielsweise einen AMRAP-Satz am Ende der Hauptarbeit. Daraus kann ein Rep-PR entstehen, ohne dass jede Woche ein echtes Maximum getestet wird.
Wichtig ist die Richtung der Logik: Ein PR ist ein möglicher Output von Progressive Overload, nicht die Trainingsmethode selbst.
Wer ständig nur testet, wie schwer er heute heben kann, sammelt weniger gezielte Trainingsarbeit. Wer dagegen über Wochen trainiert, schafft die Voraussetzung dafür, dass ein späterer Test überhaupt etwas Neues zeigt.
Maximalversuche sicher angehen
Ein 1RM-Test ist nicht automatisch gefährlich. Eine systematische Übersichtsarbeit fand für standardisierte 1RM-Tests eine hohe Test-Retest-Reliabilität über unterschiedliche Alters- und Erfahrungsgruppen hinweg.
Trotzdem ist ein Maximalversuch etwas anderes als ein normaler Arbeitssatz. Für Kniebeuge, Bankdrücken oder Kreuzheben sind ein paar Punkte sinnvoll:
- Mit spezifischen Aufwärmsätzen hochtasten. Die Last steigt, während die Wiederholungszahl sinkt. Es braucht keine starre Prozentfolge, aber keinen Sprung vom leichten Warm-up direkt zum Maximum.
- Sicherheits-Setup nutzen. Beim Bankdrücken und bei der Kniebeuge gehören Spotter oder korrekt eingestellte Safety-Pins zum vernünftigen Setup.
- Gewichtssprünge kleiner machen, je näher du ans Maximum kommst. So verschwendest du weniger Versuche und überschießt nicht unnötig.
- Technikstandard vorher definieren. Ein Powerlifting-Wettkampf-PR folgt anderen Kriterien als ein lockerer Gym-PR. Wichtig ist, dass du dieselbe Leistung nicht jedes Mal anders bewertest.
- Bei Schmerz oder unerwartetem Kontrollverlust abbrechen. Langsame Bewegung allein ist dagegen kein Fehler: Ein echtes 1RM darf sehr langsam sein.
Die Frage ist also nicht, ob ein Maximalversuch „grinden“ darf. Ein Maximum ist definitionsgemäß maximal.
Die bessere Frage lautet: Ist der Versuch technisch kontrolliert, sinnvoll abgesichert und für dein aktuelles Training überhaupt nötig?
PRs tracken statt schätzen
Ein persönlicher Rekord funktioniert nur, wenn du weißt, was vorher deine Bestleistung war.
Bei 1RM-PRs ist das leicht zu merken. Bei Rep-PRs wird es schnell unübersichtlich: Waren 100 kg × 6 neu — oder hattest du im Februar schon einmal sieben?
Genau deshalb habe ich die App hitPR genannt. Sie kann beim Loggen erkennen, wenn eine dokumentierte Leistung einen bisherigen Bestwert übertrifft. Das Prinzip ist aber völlig unabhängig von der App: Ein Notizbuch oder eine Tabelle erfüllt denselben Grundzweck.
Der eigentliche Wert liegt nicht im Badge nach dem Satz.
Er liegt darin, aus einzelnen Trainingseinheiten einen Verlauf zu machen.
Fazit
- PR = Personal Record, also persönliche Bestleistung; PB wird praktisch synonym verwendet.
- Ein 1RM ist nur eine Art von PR. Rep-PRs sind im normalen Training häufig besonders nützlich.
- Ein e1RM ist eine Schätzung aus Gewicht und Wiederholungen, kein gemessenes Maximum.
- Formeln wie Epley eignen sich vor allem, um Trends unter vergleichbaren Bedingungen zu verfolgen.
- Es gibt keinen festen Kalender, wie oft du einen PR „machen solltest“. Training erzeugt die Voraussetzung; der PR zeigt das Ergebnis.
- 1RM-Tests können sinnvoll und zuverlässig sein, sollten aber geplant, sauber aufgewärmt und vernünftig abgesichert werden.
Ein PR ist damit weniger ein einzelner spektakulärer Moment als eine Markierung im Trainingsverlauf:
Hier konntest du heute etwas, das du vorher noch nicht konntest.
Quellen
- Grgic J, Lazinica B, Schoenfeld BJ, Pedisic Z (2020). Test–retest reliability of the one-repetition maximum (1RM) strength assessment: a systematic review. Sports Medicine — Open, 6:31.
- LeSuer DA, McCormick JH, Mayhew JL, Wasserstein RL, Arnold MD (1997). The accuracy of prediction equations for estimating 1-RM performance in the bench press, squat, and deadlift. Journal of Strength and Conditioning Research, 11(4):211–213.
- Jukic I, García-Ramos A, Baláš J et al. (2024). Maximal Number of Repetitions at Percentages of the One Repetition Maximum: A Meta-Regression and Moderator Analysis of Sex, Age, Training Status, and Exercise. Sports Medicine, 54:303–321.
- Epley B (1985). Poundage chart. Boyd Epley Workout. Lincoln, NE: Body Enterprises.
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