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PHUL vs. PHAT: Aufbau, Unterschiede und welcher Plan passt

· Chris · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert

Wenn du gleichzeitig stärker werden und sichtbar Muskulatur aufbauen willst, musst du dich nicht zwischen „Krafttraining“ und „Hypertrophie“ entscheiden. Gerade nach einer einfachen LP wie GZCLP wird diese Kombination für viele interessant. PHUL und PHAT bauen genau auf dieser Idee auf: dieselben Muskelgruppen bekommen innerhalb einer Woche unterschiedliche Belastungen.

Der interessante Teil ist aber nicht das Etikett DUP. Entscheidend ist, wie die Programme schwere Arbeit, Volumen und Erholung tatsächlich verteilen — und was die Forschung daraus wirklich ableiten lässt.

Das Prinzip: Daily Undulating Periodization (DUP)

Bei klassischer linearer Periodisierung verändert sich der Trainingsschwerpunkt über längere Blöcke. Ein Trainingsabschnitt kann beispielsweise mehr Wiederholungen und moderatere Lasten betonen, der nächste schwerere Arbeit und niedrigere Wiederholungszahlen.

Undulierende Periodisierung verändert diese Größen häufiger. Bei einem PHUL-artigen Aufbau kann dieselbe Muskelgruppe etwa zu Wochenbeginn mit schwereren Sätzen und einige Tage später mit moderateren Wiederholungsbereichen trainiert werden.

Der Begriff DUP wird im Fitnessbereich oft sehr locker verwendet. PHUL ist deshalb am besten als undulierender Wochenaufbau mit Power- und Hypertrophie-Tagen zu verstehen — nicht als Beweis dafür, dass jedes Detail des Programms wissenschaftlich „optimal“ wäre.

Warum DUP funktioniert

Der sinnvolle Kern ist Variation: Du musst nicht jede Einheit mit derselben Last, denselben Wiederholungen und demselben Ziel trainieren.

Das bedeutet aber nicht, dass DUP automatisch doppelt so gute Ergebnisse liefert. Die viel zitierte Rhea-Studie von 2002 war klein und kann nicht als allgemeine Prozentangabe für jeden Trainierenden verwendet werden. Größere Meta-Analysen zeichnen ein nüchterneres Bild: Undulierende Periodisierung kann bei 1RM-Kraft Vorteile gegenüber linearer Periodisierung haben, besonders bei bereits Trainierten. Für Muskelaufbau zeigen lineare und undulierende Modelle bei vergleichbarem Volumen dagegen sehr ähnliche Ergebnisse.

Praktisch ist DUP deshalb vor allem ein gutes Organisationswerkzeug: schwere Arbeit bleibt im Programm, ohne dass jede Einheit schwer sein muss.

PHUL: Power Hypertrophy Upper Lower

PHUL wurde von Brandon Campbell veröffentlicht und 2013 bei Muscle & Strength als vier Tage pro Woche laufender Upper/Lower-Plan vorgestellt. Der Aufbau trennt zwei Power-Tage von zwei Hypertrophie-Tagen.

Wichtig: Das Original ist kein reines „3–5 Reps vs. 8–12 Reps“-Schema. Auch an den Power-Tagen liegen einige Assistenzübungen bewusst im mittleren Wiederholungsbereich.

Struktur: 4 Tage/Woche

TagFokusRep-Bereich
MontagUpper Power3-5 Reps (schwer)
DienstagLower Power3-5 Reps (schwer)
MittwochPause
DonnerstagUpper Hypertrophy8-12 Reps (moderat)
FreitagLower Hypertrophy8-12 Reps (moderat)

Die Tabelle zeigt den Schwerpunkt, nicht jede einzelne Übung. Im Original reichen die Wiederholungsbereiche je nach Bewegung ungefähr von 3 bis 15 Wiederholungen.

Upper Power (Montag)

ÜbungSätze × RepsTyp
Bankdrücken3-4 × 3-5Compound, schwer
Schrägbankdrücken (KH)3-4 × 6-10Compound
Langhantelrudern3-4 × 3-5Compound, schwer
Lat Pulldown3-4 × 6-10Compound
Schulterdrücken2-3 × 5-8Compound
Langhantel-Curls2-3 × 6-10Isolation
Skull Crusher2-3 × 6-10Isolation

Genau hier erkennt man die Logik des Plans: Nur die wichtigsten Press- und Zugbewegungen werden wirklich niedrigwiederholig trainiert. Der Rest ergänzt Volumen, ohne aus dem gesamten Tag ein Maxkrafttraining zu machen.

Upper Hypertrophy (Donnerstag)

ÜbungSätze × RepsTyp
Schrägbankdrücken (LH)3-4 × 8-12Compound
Kurzhantel-Flys3-4 × 8-12Isolation
Kabelrudern sitzend3-4 × 8-12Compound
Einarmiges KH-Rudern3-4 × 8-12Compound
Seitheben3-4 × 8-12Isolation
Incline Curls3-4 × 8-12Isolation
Trizeps-Pushdowns3-4 × 8-12Isolation

Der Hypertrophie-Tag verzichtet nicht auf große Bewegungen. Er verschiebt nur Last, Wiederholungszahl und Übungsauswahl so, dass mehr Wiederholungen und lokales Volumen möglich werden.

PHUL-Vorteile

  • Vier Trainingstage reichen aus, um Ober- und Unterkörper jeweils zweimal zu belasten.
  • Schwere Grundübungen bleiben erhalten, obwohl Muskelaufbau ein zentrales Ziel ist.
  • Volumen lässt sich gut verteilen, statt alles für eine Muskelgruppe in eine einzelne Einheit zu stapeln.
  • Übungen sind teilweise austauschbar; Campbell selbst erlaubt passende Substitutionen, während die Hauptbewegungen möglichst stabil bleiben sollen.

Die 2×-Frequenz ist dabei kein magischer Hypertrophie-Bonus. Neuere Auswertungen zeigen: Wenn das Wochenvolumen gleich ist, scheint die reine Trainingsfrequenz für Muskelwachstum nur einen kleinen oder sogar vernachlässigbaren eigenen Effekt zu haben. Zwei Einheiten können trotzdem praktisch sehr sinnvoll sein, weil sich ein höheres Volumen damit besser auf die Woche verteilen lässt.

PHAT: Power Hypertrophy Adaptive Training

PHAT verfolgt denselben groben Gedanken, ist aber kein „PHUL mit einem Tag mehr“. Layne Norton kombiniert zwei schwere Power-Tage mit drei deutlich umfangreicheren Hypertrophie-Tagen und setzt dort zusätzlich Speed-Arbeit ein.

Erstellt von Layne Norton

Norton beschreibt PHAT als Hybrid aus Powerlifting- und Bodybuilding-Training. Seine Begründung ist pragmatisch: schwere Arbeit soll Kraft aufbauen, während die Hypertrophie-Tage mehr Volumen in höheren Wiederholungsbereichen liefern.

Das Original ist ausdrücklich für Trainierende gedacht, die sich an höhere Frequenz und höheres Volumen gewöhnen können. Norton empfiehlt sogar, zu Beginn einzelne Assistance-Übungen zu streichen, statt sofort das volle Beispielprogramm zu übernehmen.

Struktur: 5 Tage/Woche

TagFokus
MontagUpper Power
DienstagLower Power
MittwochPause
DonnerstagBack/Shoulders Hypertrophy
FreitagLower Hypertrophy
SamstagChest/Arms Hypertrophy

Die Power-Tage arbeiten bei den Hauptbewegungen typischerweise mit 3–5 Wiederholungen. An den Hypertrophie-Tagen liegen viele Übungen im Bereich von 8–20 Wiederholungen.

Das Speed-Element

An den Hypertrophie-Tagen beginnt PHAT mit explosiven Sätzen einer Bewegung, die zuvor am Power-Tag schwer trainiert wurde. Norton nennt 6–8 Sätze à 3 Wiederholungen mit etwa 65–70 % des normalen 3–5RM-Gewichts und kurzen Pausen als Ausgangspunkt.

Die Vorgabe ist dabei nicht „möglichst ermüdend“, sondern möglichst explosiv. Wenn die konzentrische Phase sichtbar langsam wird, ist das Gewicht für diesen Zweck zu schwer.

Explosive Wiederholungen können für die Rate of Force Development und Bewegungsgeschwindigkeit relevant sein. Daraus folgt aber nicht automatisch mehr Muskelaufbau. Im PHAT-Kontext sind die Speed-Sätze besser als zusätzlicher Kraft-/Geschwindigkeitsreiz zu verstehen, bevor das eigentliche Hypertrophievolumen beginnt.

PHAT vs. PHUL

AspektPHULPHAT
Tage/Woche45
Speed-ArbeitNeinJa (6×3 explosiv)
AufteilungUpper/LowerUpper/Lower + Body-Part-Split
ErstellerBrandon CampbellLayne Norton (PhD)
Dauer/Session45-60 Minoft 75-120 Min
Ideal fürIntermediates, 4 Tage verfügbarIntermediate+, 5 Tage, Bodybuilding-Fokus

Zwei Korrekturen sind wichtig: PHUL ist nicht bloß ein anonymes Community-Template, sondern wurde von Brandon Campbell veröffentlicht. Und die Zeitangaben sind keine Garantie — Muscle & Strength nennt für PHUL selbst eher 45–60 Minuten, während PHAT je nach Übungsauswahl deutlich länger werden kann.

Wissenschaftliche Bewertung

Keines der beiden Programme wurde als vollständiges System in großen kontrollierten Studien gegen moderne Alternativen getestet. Die wissenschaftliche Bewertung kann deshalb nur die Bausteine beurteilen: Volumen, Frequenz, Lastbereiche und Periodisierung.

Volumen: Evidenzkonform

„12–20 Sätze pro Muskelgruppe“ klingt präzise, ist aber keine universelle Zielzone. Die aktuellere Dosis-Wirkungs-Literatur zeigt eher: Mehr sinnvolles Wochenvolumen kann Muskelaufbau fördern, allerdings mit abnehmendem Ertrag. Wie viele Sätze du produktiv verarbeiten kannst, hängt von Übungsauswahl, Nähe zum Versagen, Trainingsstatus und Erholung ab.

PHUL landet für viele Muskelgruppen in einem moderaten bis höheren Bereich. PHAT kann deutlich darüber liegen — besonders für Rücken, Schultern und Arme. Genau deshalb ist Nortons Hinweis sinnvoll, das Beispielprogramm bei Bedarf zunächst zu kürzen.

Im Vergleich zu nSuns entsteht die Ermüdung anders: weniger durch sehr viele prozentbasierte Hauptsätze, stärker durch die Summe aus Compounds und Bodybuilding-Arbeit. Gegenüber StrongLifts ist das Oberkörper- und Isolationsvolumen wesentlich umfangreicher.

Frequenz: 2×/Woche — optimal

Zweimal pro Woche ist praktisch oft sehr gut, aber „optimal“ ist wissenschaftlich zu stark formuliert.

Eine ältere Meta-Analyse sprach für Vorteile gegenüber einmal pro Woche. Spätere Analysen mit volumenangeglichenen Gruppen fanden dagegen keinen klaren Hypertrophie-Vorteil höherer Frequenzen. Die große Meta-Regression von Pelland et al. (2026) kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass der eigenständige Frequenzeffekt auf Muskelwachstum mit einem vernachlässigbaren Effekt vereinbar ist.

Der praktische Vorteil von PHUL und PHAT bleibt trotzdem: Zwei Kontakte pro Muskelgruppe machen es leichter, Wochenvolumen zu verteilen und die Qualität einzelner Sätze hochzuhalten.

DUP: Wissenschaftlich fundiert

Periodisierung ist für Kraftentwicklung sinnvoll, aber die Aussage muss sauber getrennt werden.

Bei volumenangeglichenem Training zeigen Meta-Analysen einen kleinen Vorteil periodisierter gegenüber nicht periodisierter Programme für 1RM. Undulierende Modelle können gegenüber linearer Periodisierung ebenfalls Vorteile bei Maximalkraft haben, besonders bei trainierten Personen. Für Hypertrophie sind lineare und undulierende Periodisierung dagegen im Mittel vergleichbar.

Das macht den Wechsel zwischen schwer und moderat nicht nutzlos. Es bedeutet nur: Der Wert liegt vor allem in der Organisation verschiedener Trainingsziele, nicht in einem garantierten Hypertrophiebonus.

Was fehlt

  • PHUL hat keine präzise eingebaute Lastprogression. Das Original gibt Sätze und Wiederholungsbereiche vor, aber keinen vollständigen Algorithmus für jede Übung.
  • PHUL hat keinen fest programmierten Deload. Du musst Belastung und Erholung selbst steuern.
  • PHAT ist weniger starr, als Tabellen suggerieren. Norton empfiehlt Rotationen bei Power-Bewegungen und einen Deload ungefähr alle 6–12 Wochen, gibt aber keine lineare Progressionsformel wie ein klassisches LP-Programm vor.
  • Autoregulation ist nur indirekt enthalten. Beide Programme empfehlen, die meisten Sätze nicht bis zum absoluten Versagen zu treiben, arbeiten aber nicht mit einem systematischen RPE-/RIR-Schema wie moderne autoregulierte Pläne.

Im Vergleich zum 5/3/1 fehlt damit vor allem eine klare langfristige Logik für Training Max, Zyklen und Belastungssteuerung.

Für wen eignet sich PHUL/PHAT?

Die sauberste Einordnung erfolgt nicht über eine Monatszahl an Trainingserfahrung, sondern über das, was du bereits beherrschst und regenerieren kannst.

Ideal für:

  • Trainierende mit sicherer Grundtechnik, die schwere Compounds und Hypertrophiearbeit verbinden wollen
  • Vier Tage pro Woche verfügbar für PHUL oder fünf Tage für PHAT
  • Menschen, die nicht nur einen Leistungswert maximieren, sondern Kraft und Muskelaufbau parallel verfolgen
  • Trainierende, denen ein 6-Tage-PPL zu viel Präsenz im Gym abverlangt

Nicht ideal für:

  • Komplette Anfänger, die mit einem einfacheren Progressionssystem weniger Entscheidungen treffen müssen — etwa GZCLP oder Greyskull
  • Nur drei Trainingstage pro Woche — dafür passen Ganzkörperpläne oder 5/3/1 meist natürlicher
  • Trainierende mit sehr engem Erholungsbudget — besonders PHAT kann mit fünf Einheiten und viel Assistance unnötig schwer zu regenerieren sein

Ein reiner Kraftfokus ist kein Verbot für PHUL oder PHAT. Wenn dein einziges Ziel aber möglichst viel Leistung in spezifischen Wettkampflifts ist, ist ein stärker auf diese Lifts zugeschnittenes Programm meist der direktere Weg.

Vergleich mit Alternativen

AspektPHULPHATPPL5/3/1
Tage/Woche4563-4
FokusKraft + HypertrophieKraft + Hypertrophie + SpeedHypertrophieKraft
DUPJaJaNeinNein (zyklisch)
IsolationModeratVielVielWenig
PeriodisierungDUPDUP + SpeedKeine4-Wochen-Zyklen
Dauer/Session45-60 Minoft 75-120 Min60-75 Min45-60 Min

Die Tabelle ist eine grobe Orientierung, keine Rangliste. Auch PPL kann schwere und leichte Tage enthalten, und 5/3/1 kann mit Supplemental Work sehr hypertrophieorientiert programmiert werden. Entscheidend ist das konkrete Template, nicht nur der Split-Name.

PHUL in hitPR

PHUL gibt dir einen starken Rahmen, lässt die konkrete Progression aber relativ offen. Im hitPR-PHUL-Plan wird diese Lücke mit Double Progression geschlossen: Auf Power- und Hypertrophieübungen wird zunächst innerhalb des vorgesehenen Wiederholungsbereichs gesteigert, bevor Gewicht dazukommt.

Das ist bewusst eine hitPR-Implementierung, nicht eine Behauptung darüber, dass Campbell exakt dieselbe Progressionsregel vorgeschrieben hätte. So bleibt der Charakter des Programms erhalten, während jede Übung eine klare nächste Aktion bekommt.

Wenn vier Tage nicht mehr genug Trainingsraum bieten, gibt es dasselbe Grundmotiv mit mehr Wochenvolumen als Power & Hypertrophie Advanced. Mehr Tage sind dabei nicht automatisch besser — sie schaffen vor allem mehr Platz, das Volumen zu verteilen.

Fazit

PHUL und PHAT lösen dasselbe Grundproblem auf unterschiedliche Weise: Sie wollen Kraftarbeit und Hypertrophietraining nicht in getrennte Monate verbannen, sondern innerhalb derselben Woche kombinieren.

PHUL macht das relativ kompakt auf vier Tagen. PHAT erweitert die Idee um einen fünften Trainingstag, mehr Bodybuilding-Volumen und Speed-Arbeit.

Die Forschung stützt vor allem den organisatorischen Kern: unterschiedliche Lastbereiche können sinnvoll kombiniert werden, periodisierte Modelle funktionieren gut für Kraft, und ein höheres Wochenvolumen kann Muskelaufbau fördern. Was sie nicht stützt, sind die üblichen absoluten Aussagen: DUP verdoppelt nicht pauschal den Kraftzuwachs, 2× pro Woche ist nicht automatisch hypertrophieoptimal und 10–20 Sätze sind keine universelle Zielzone.

Wenn du diese Grenzen im Kopf behältst, sind beide Programme weiterhin gute Beispiele dafür, wie Kraft und Muskelaufbau in einem Wochenplan zusammenpassen können.


Quellen

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