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Mann bei der Kniebeuge im Power Rack, Seitenansicht, warmes Licht

StrongLifts 5×5 vs Starting Strength: Noch empfehlenswert?

· Chris · 5 Min. Lesezeit

StrongLifts 5×5 und Starting Strength sind die bekanntesten Anfänger-Krafttrainingsprogramme der Welt. Millionen haben mit ihnen angefangen. Aber das r/Fitness-Wiki — eine der meistgelesenen Trainingsressourcen im Internet — listet keins von beiden mehr in seinen Empfehlungen.

Was stimmt nicht? Dieser Artikel vergleicht beide Programme und prüft die Kernelemente.

Die Programme

StrongLifts 5×5

Erstellt von: Mehdi Hadim (2007), basierend auf Reg Parks 5×5-System.

3 Tage/Woche, alternierend Workout A und B:

Workout AWorkout B
1Kniebeuge 5×5Kniebeuge 5×5
2Bankdrücken 5×5Schulterdrücken 5×5
3Langhantelrudern 5×5Kreuzheben 1×5

Progression: +2,5 kg pro Training bei Erfolg. Bei 3× Scheitern: Deload um 10%.

Starting Strength

Erstellt von: Mark Rippetoe (2005), mittlerweile in der 4. Auflage.

3 Tage/Woche, alternierend Workout A und B:

Workout AWorkout B
1Kniebeuge 3×5Kniebeuge 3×5
2Schulterdrücken 3×5Bankdrücken 3×5
3Kreuzheben 1×5Power Clean 5×3

Progression: +2,5 kg Oberkörper, +5 kg Unterkörper pro Training.

Direkter Vergleich

AspektStrongLifts 5×5Starting Strength
Sätze/Übung5×5 (Deadlift: 1×5)3×5 (Deadlift: 1×5)
Volumen/SessionHöherNiedriger
LanghantelrudernJa (jedes 2. Training)Nein
Power CleansNeinJa (jedes 2. Training)
IsolationsarbeitKeineKeine

Das Volumen-Problem

Die Reps über 2 Wochen in StrongLifts:

ÜbungReps über 2 Wochen
Kniebeuge150 (5×5 × 6 Trainings)
Bankdrücken75 (5×5 × 3 Trainings)
Schulterdrücken75 (5×5 × 3 Trainings)
Langhantelrudern75 (5×5 × 3 Trainings)
Kreuzheben15 (1×5 × 3 Trainings)

150 Squat-Reps vs. 15 Deadlift-Reps. 10:1 Verhältnis. Kein vertikaler Zug. Keine Bizeps-Arbeit. Keine seitlichen Schultern.

Starting Strength hat in den frühen Phasen keine Zugbewegung (kein Rudern, keine Klimmzüge). Das Ergebnis: unverhältnismäßig viel Beinarbeit, unterentwickelter Oberkörper und Rücken.

Wo die Forschung ihnen widerspricht

Frequenz-Asymmetrie

2× pro Woche pro Muskelgruppe ist besser als 1× für Hypertrophie. Beide Programme trainieren die Kniebeuge 3×/Woche — das ist gut. Aber Bankdrücken und Schulterdrücken nur 1,5×/Woche (alternierend), Kreuzheben noch seltener.

Oberkörper-Volumen zu niedrig

10+ Sätze pro Muskelgruppe pro Woche erzeugen mehr Hypertrophie als weniger als 5 Sätze. Bankdrücken bei StrongLifts: 1,5×/Woche × 5 Sätze = 7,5 Sätze/Woche. Das liegt am unteren Ende des Minimum Effective Volume — weit unter dem Sweet Spot.

Compounds allein reichen nicht

“Anfänger brauchen nur Compounds” — das stimmt für Beine. Für Arme (Bizeps, Trizeps) zeigt die Forschung keinen nennenswerten Unterschied zwischen Compounds und Isolation. Besonders Bizeps, seitliche Schultern und hintere Schultern bekommen bei reinen Compound-Programmen zu wenig Reiz.

Was sie richtig machen

Bei aller Kritik — diese Programme haben Verdienste:

  • Barbell-Training für die Massen zugänglich gemacht — Millionen haben wegen SL/SS angefangen
  • Fokus auf Compound-Übungen — Kniebeuge, Bankdrücken, Kreuzheben als Fundament
  • Progressive Overload als Kernprinzip — jedes Training etwas mehr
  • Einfachheit — der niedrige Einstiegswiderstand hat vielen geholfen

Das Problem ist nicht, dass sie schlecht sind — sie waren für ihre Zeit gut. Es gibt inzwischen Programme, die die gleiche Einfachheit bieten, aber die bekannten Schwächen vermeiden.

Die Alternativen

Basic Beginner Routine (Greyskull LP) — 3 Tage/Woche

Workout AWorkout B
1Rudern 3×5+Klimmzüge 3×5+
2Bankdrücken 3×5+Schulterdrücken 3×5+
3Kniebeuge 3×5+Kreuzheben 3×5+

Zugübungen in jeder Session, offener letzter Satz für Feedback, ausgeglichenere Volumenverteilung. Mehr dazu →

GZCLP — 3 Tage/Woche

Drei Ebenen: T1 (schwer, 5×3+), T2 (moderat, 3×10), T3 (Accessories, 3×15+). Jede Übung 2×/Woche, Accessory-Arbeit eingebaut, Multi-Stage-Failure statt sofortigem Deload. Mehr dazu →

Ganzkörper (Fierce 5) — 3 Tage/Woche

A/B-Rotation wie StrongLifts, aber mit Zusatzübungen für hintere Schultern, Arme, Waden und Bauch ab Tag eins. Gibt es in drei Equipment-Varianten: Studio, Barbell + Klimmzugstange, oder Dumbbells. Empfohlen für 4–6 Monate.

Vergleich

KriteriumStrongLiftsStarting StrengthGreyskull LPGZCLP
Tage/Woche3333
Vertikaler ZugNeinNein (frühe Phasen)JaJa (T3)
Accessory-ArbeitNeinNeinNeinJa (T3)
Offener letzter SatzNeinNeinJaJa
Im r/Fitness-WikiNeinNeinJaJa

Fazit

StrongLifts 5×5 und Starting Strength haben eine Generation an die Langhantel gebracht. Dafür verdienen sie Respekt. Die Kernprobleme sind aber klar: Volumen-Asymmetrie, fehlende Zugbewegungen, keine Accessory-Arbeit.

Wenn du gerade mit einem der beiden Programme trainierst: Du musst nicht sofort wechseln. Aber wenn du stagnierst oder merkst, dass dein Oberkörper nicht mithält — dann weißt du jetzt, warum. Und die Alternativen sind genauso einfach, nur besser durchdacht.


Quellen

  • Schoenfeld BJ, Ogborn D, Krieger JW (2016). Effects of Resistance Training Frequency on Measures of Muscle Hypertrophy. Sports Medicine, 46(11):1689-1697.
  • Schoenfeld BJ, Ogborn D, Krieger JW (2017). Dose-response relationship between weekly resistance training volume and increases in muscle mass. J Sports Sciences, 35(11):1073-1082.
  • Gentil P, Fisher J, Steele J (2017). A Review of the Acute Effects and Long-Term Adaptations of Single- and Multi-Joint Exercises during Resistance Training. Sports Med, 47(5):843-855.

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