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PPL vs. Upper/Lower: Welcher Split bei wie vielen Tagen?
„Push Pull Legs oder Upper/Lower?“ klingt wie eine Frage nach dem besseren Trainingssystem.
Eigentlich ist es zuerst eine Frage nach Organisation.
Upper/Lower teilt das Training in zwei Einheitentypen. PPL teilt es in drei. Daraus ergibt sich, wie oft dieselbe Einheit bei einer bestimmten Zahl an Trainingstagen wiederkommt — aber daraus folgt noch nicht automatisch, welcher Split mehr Muskelaufbau oder Kraft erzeugt.
Genau diese Unterscheidung macht den Vergleich deutlich einfacher.
Die Frequenz-Rechnung
Wenn beide Splits als fortlaufender Zyklus trainiert werden, sieht die reine Mathematik so aus:
| Trainingstage | Upper/Lower | PPL |
|---|---|---|
| 3 | 1,5× pro Muskelgruppe | 1× |
| 4 | 2× | ~1,3× (rotierend) |
| 5 | 2,5× | ~1,7× (rotierend) |
| 6 | 3× | 2× |
Diese Tabelle ist korrekt — aber sie wird leicht falsch interpretiert.
Mehr Frequenz ist nicht automatisch mehr Muskelaufbau. Wenn das Wochenvolumen vergleichbar ist, zeigen Meta-Analysen keinen bedeutsamen Hypertrophie-Vorteil allein dadurch, dass ein Muskel häufiger trainiert wird. Auch Split- und Ganzkörperprogramme liefern bei volumenäquivalentem Training sehr ähnliche Ergebnisse.
Die Frequenz-Rechnung beantwortet deshalb vor allem eine praktische Frage:
Auf wie viele Einheiten verteilst du deine Arbeit?
Mehr zur Einordnung der Frequenz pro Muskelgruppe.
Für Kraft kann eine höhere Übungsfrequenz trotzdem interessant sein, weil du eine konkrete Bewegung häufiger übst. Und für Hypertrophie kann sie helfen, viel Volumen auf mehrere Einheiten zu verteilen, statt alles in eine lange Session zu packen.
Das ist ein indirekter Vorteil der Frequenz — kein magischer Effekt der Zahl „2ד.
Was PPL tatsächlich kauft: Volumen
Streng genommen kauft PPL nicht automatisch mehr Volumen.
Du kannst mit vier Upper/Lower-Tagen 80 Sätze pro Woche machen und mit sechs PPL-Tagen ebenfalls 80. Der Split entscheidet nur, wie diese Arbeit verteilt wird.
In den hitPR-Katalog-Plänen sind die konkreten Templates allerdings unterschiedlich umfangreich:
| Plan | Tage | Sätze/Woche | Ø Dauer/Einheit | Zeit/Woche |
|---|---|---|---|---|
| Upper/Lower | 4 | 86 | ~58 min | ~232 min |
| Upper/Lower + PPL Hybrid | 5 | 92 | ~50 min | ~252 min |
| Reddit PPL | 6 | 124 | ~56 min | ~335 min |
Der Reddit-PPL hat in dieser konkreten Auswahl deutlich mehr Arbeit als der 4-Tage-Upper/Lower. Das ist aber eine Eigenschaft dieser beiden Programme, nicht des Split-Namens.
Was PPL strukturell tatsächlich erleichtert, ist die Verteilung hoher Volumina. Wenn du beispielsweise 14 direkte und indirekte Brustsätze pro Woche unterbringen willst, lassen sie sich auf zwei fokussierte Push-Tage verteilen, ohne gleichzeitig noch den kompletten Rücken trainieren zu müssen.
Das ist der eigentliche organisatorische Vorteil.
Wo Upper/Lower gewinnt
Bei vier festen Trainingstagen ist Upper/Lower schwer zu schlagen.
Montag Oberkörper, Dienstag Unterkörper, Donnerstag Oberkörper, Freitag Unterkörper: Die Woche ist einfach lesbar, jede Einheit wiederholt sich zweimal und es gibt keine rotierenden Wochentage.
PPL funktioniert bei vier Tagen ebenfalls. Der Zyklus läuft nur weiter: Pull-Push-Legs-Pull, danach Push-Legs-Pull-Push. Wenn dich das nicht stört, gibt es daran physiologisch nichts „Falsches“.
Upper/Lower gewinnt hier also vor allem bei Planbarkeit.
Bei unregelmäßigem Alltag kann der Zweier-Split ebenfalls robuster sein. Fällt eine Einheit aus, lässt sich Oberkörper/Unterkörper häufig einfacher weiterschieben, ohne dass einzelne Körperregionen sehr lange auf ihre nächste Session warten.
Wenn du weniger Studiotage möchtest, ist die Rechnung sowieso eindeutig: Vier Anfahrten sind weniger als sechs. Das klingt banal, ist aber oft wichtiger für langfristige Konsistenz als kleine Unterschiede in der Programmtheorie.
Wo PPL gewinnt
PPL passt besonders gut, wenn du gern fünf oder sechs Tage trainierst und die Einheiten stärker fokussieren möchtest.
Ein Upper-Tag muss Brust, Rücken, Schultern und meist beide Arme in derselben Session unterbringen. Das kann bei höherem Wochenvolumen lang werden. PPL verteilt dieselben Körperregionen auf Push und Pull und schafft dadurch mehr Raum innerhalb der einzelnen Einheit.
Das ist besonders nützlich:
Wenn deine Upper-Einheiten zu voll werden. Nicht weil 20 Sätze pro Session grundsätzlich zu viel wären, sondern weil die letzten Prioritäten unter Vorermüdung und Zeitdruck leiden können.
Wenn du viele Übungen sinnvoll unterbringen möchtest. Zwei verschiedene Brustpressen, seitliche Schulter, Trizeps und eventuell eine Isolation lassen sich an einem Push-Tag einfacher organisieren als zwischen mehreren Rückenübungen in derselben Upper-Einheit.
Wenn du Arme und Schultern stärker priorisierst. PPL reserviert strukturell eigene Zeitfenster dafür. Upper/Lower kann dasselbe leisten, aber die Einheiten werden entsprechend voller.
PPL gewinnt hier also nicht durch eine höhere „Qualität“ des Splits, sondern durch mehr Spezialisierung pro Session.
Der Hybrid: 5 Tage, beides
Zwischen vier Upper/Lower-Tagen und sechs PPL-Tagen liegt für viele der interessanteste Bereich: fünf Trainingstage sind realistisch, sechs nicht.
Der Upper/Lower + PPL Hybrid nutzt dafür beide Aufteilungen.
Die Struktur im hitPR-Plan: Montag Oberkörper schwer, Dienstag Unterkörper schwer, Mittwoch frei, Donnerstag Push Volumen, Freitag Pull Volumen, Samstag Beine Volumen, Sonntag frei.
Hier geht es weniger darum, mathematisch möglichst hohe Frequenz zu erzeugen. Der Vorteil ist die Trennung unterschiedlicher Aufgaben: Die ersten beiden Einheiten bündeln schwerere Grundübungen, die späteren drei Tage verteilen zusätzliche Arbeit auf Push, Pull und Legs.
Im Katalog sind es 92 statt 86 Sätze des 4-Tage-Upper/Lower. Der zusätzliche Tag dient also nicht einfach dazu, den Wochenumfang massiv zu erhöhen, sondern vor allem dazu, die Arbeit anders zu verteilen und die durchschnittliche Einheit kürzer zu halten.
Auch die Platzierung der Übungen kann dadurch entzerrt werden. Im konkreten hitPR-Hybrid liegen schweres Unterkörpertraining und der spätere Leg-Tag mit mehreren Tagen Abstand. Das ist keine universelle Pflicht, aber ein Beispiel dafür, wie fünf Trainingstage mehr Spielraum bei der Wochenplanung schaffen.
Der Hybrid ist deshalb nicht automatisch ein „fortgeschrittenerer“ Split. Er ist sinnvoll, wenn fünf feste Trainingstage besser zu deinem Alltag und deinem gewünschten Volumen passen.
„PPL Rest Upper Lower Rest“ — der Sieben-Tage-Zyklus
Push–Pull–Legs–Rest–Upper–Lower–Rest ist ebenfalls ein legitimer 5-Tage-Split.
Der Vorteil: Der Zyklus ist genau sieben Tage lang. Montag bleibt Montag, ohne dass Push, Pull und Legs durch die Woche wandern.
Die eigentliche Programmierfrage ist die Überlappung.
Nach Push, Pull und Legs folgen später noch ein Upper- und ein Lower-Tag. Damit bekommen viele Muskelgruppen zweimal pro Woche Arbeit, aber die Belastung der einzelnen Tage muss zueinander passen. Wenn Push und Pull bereits sehr viel Volumen enthalten, kann der Upper-Tag unnötig voll werden. Wenn Legs sehr schwer ist, braucht der Lower-Tag genug Abstand und eine sinnvolle Übungsauswahl.
Das Schema ist also weder problematisch noch automatisch besser als der Hybrid oben. Es ist eine weitere Möglichkeit, fünf Tage zu organisieren.
Wann wechseln?
Von Upper/Lower auf PPL zu wechseln lohnt sich vor allem dann, wenn dein Problem durch die neue Aufteilung tatsächlich gelöst wird.
Typische Gründe:
- Du möchtest zuverlässig fünf oder sechs Tage trainieren.
- Deine Upper-Einheiten werden so voll, dass spätere Übungen regelmäßig leiden.
- Du möchtest mehr direkte Arm-, Schulter- oder Rückenarbeit unterbringen, ohne einzelne Sessions weiter zu verlängern.
- Du magst fokussierte Einheiten schlicht lieber und hältst sie dadurch langfristig konsequenter durch.
Kein besonders guter Grund ist dagegen: „PPL klingt fortgeschrittener.“
Ein Split ist kein Levelsystem. Wenn dein 4-Tage-Upper/Lower Fortschritt bringt, in deinen Alltag passt und du dich davon erholst, gibt es keinen programmtheoretischen Zwang zum Wechsel.
Umgekehrt gilt: Wenn ein 6-Tage-PPL auf dem Papier steht, du aber dauerhaft nur vier Einheiten schaffst, wäre ein ehrlich geplanter 4-Tage-Split wahrscheinlich die robustere Lösung.
Die Kurzfassung
| Deine Situation | Wahl |
|---|---|
| 3 Tage | meist Ganzkörper oder rotierendes Upper/Lower; 3-Tage-PPL ist möglich |
| 4 feste Tage | Upper/Lower ist besonders unkompliziert |
| 5 feste Tage | Hybrid oder ein anderer 5-Tage-Split |
| 6 Tage, fokussierte Sessions | PPL passt sehr gut |
| Unregelmäßiger Alltag | die Struktur wählen, bei der Ausfälle am leichtesten aufzufangen sind |
Beide Splits funktionieren.
Die bessere Frage ist deshalb nicht: „Welcher Split baut mehr Muskeln auf?“
Sondern: „Mit welchem Split kann ich mein sinnvolles Wochenvolumen, meine Prioritäten und meine verfügbaren Trainingstage am zuverlässigsten zusammenbringen?“
Wie die Übungen innerhalb der PPL-Tage aufgeteilt werden, steht im Push Pull Legs Guide; welche Übungen pro Tag sinnvoll sind, in welcher Reihenfolge und mit wie vielen Sätzen, in der PPL-Übungsauswahl.
Quellen
- Ramos-Campo DJ et al. (2024). Efficacy of Split Versus Full-Body Resistance Training on Strength and Muscle Growth: A Systematic Review With Meta-Analysis. Journal of Strength and Conditioning Research, 38(7):1330-1340.
- Schoenfeld BJ, Grgic J, Krieger J. (2019). How many times per week should a muscle be trained to maximize muscle hypertrophy?. Journal of Sports Sciences, 37(11):1286-1295.
- Pelland JC et al. (2026). The Resistance Training Dose Response: Meta-Regressions Exploring the Effects of Weekly Volume and Frequency on Muscle Hypertrophy and Strength Gains. Sports Medicine, 56(2):481-505.
- American College of Sports Medicine. (2026). Resistance Training Prescription for Muscle Function, Hypertrophy, and Physical Performance in Healthy Adults: An Overview of Reviews.
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