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Trainingsplan erstellen: Schritt-für-Schritt-Guide
Ein guter Trainingsplan ist keine Sammlung „optimaler“ Übungen.
Er ist ein System von Entscheidungen, das drei Dinge gleichzeitig schaffen muss:
- dein Ziel trainieren
- in deine Woche passen
- über mehrere Wochen progressiv ausführbar sein
Wenn einer dieser Punkte fehlt, hilft auch die perfekte Satzanzahl nichts.
Dieser Guide zeigt deshalb nicht nur, welche Variablen in einen Plan gehören, sondern in welcher Reihenfolge du über sie nachdenken solltest.
Warum du keinen vorgefertigten Plan brauchst
Ein bewährter vorgefertigter Plan kann gerade für Anfänger sehr sinnvoll sein.
Du musst dann nicht gleichzeitig Kniebeugen lernen, deine RPE schätzen und ein komplettes Programmiersystem erfinden.
Das Problem beginnt erst, wenn ein Template nicht zu deinen Bedingungen passt:
- du kannst nur drei statt vier Tage trainieren
- dir fehlt eine bestimmte Maschine
- eine Übung verursacht Schmerzen
- dein Hauptziel passt nicht zur Progression
- du brauchst deutlich mehr oder weniger Volumen
Die bessere Aussage lautet deshalb nicht:
Du brauchst keinen vorgefertigten Plan.
Sondern:
Du solltest verstehen, warum dein Plan so aufgebaut ist, damit du ihn sinnvoll anpassen kannst.
Die 5 Variablen eines Trainingsplans
Für die Praxis reichen fünf große Entscheidungen als Denkmodell.
1. Übungsauswahl
Wähle Übungen nicht danach, ob sie „Compound“ oder „Isolation“ heißen, sondern danach, welche Aufgabe sie im Plan erfüllen.
Mehrgelenksübungen sind oft effizient, weil sie mehrere Muskelgruppen gleichzeitig belasten. Isolationsübungen können dagegen sehr gezielt Volumen ergänzen und häufig leichter regenerierbar sein.
Eine feste Regel wie 70–80 % Compounds ist dafür nicht nötig.
Besser sind diese Fragen:
- Welche Bewegungen oder Muskelgruppen sollen stärker werden?
- Kann ich die Übung technisch reproduzierbar ausführen?
- Kann ich sie über Wochen progressiv belasten?
- Passt ihre Ermüdung zum restlichen Plan?
- Brauche ich zusätzlich direkte Arbeit für Muskeln, die bei Verbundübungen nur indirekt belastet werden?
Für Kraft zählt Spezifität besonders: Wenn du stärker im Bankdrücken werden willst, sollte Bankdrücken oder eine sehr nahe Variante regelmäßig im Plan stehen.
Für Hypertrophie hast du mehr Freiheit. Maschinen, freie Gewichte, Kabel und Körpergewichtsübungen können alle produktiv sein.
2. Volumen (Sätze × Reps)
Für Muskelaufbau ist Wochenvolumen einer der wichtigsten steuerbaren Faktoren.
Die aktuelle Evidenz stützt einen Dose-Response-Zusammenhang: mehr relevante Sätze führen im Mittel zu mehr Hypertrophie, allerdings mit abnehmendem Zusatznutzen.
Praktische Orientierung pro Muskelgruppe:
| Situation | Startpunkt |
|---|---|
| Anfänger | eher niedrig bis moderat beginnen |
| Muskelaufbau als Hauptziel | rund 10 relevante Sätze/Woche als guter Anker |
| Fortschritt bei weniger Volumen | nicht künstlich erhöhen |
| Stagnation bei guter Erholung | Volumen schrittweise testen |
| sehr hohes Volumen | Zusatznutzen kritisch gegen Ermüdung prüfen |
Wichtig: Ein Satz Bankdrücken belastet Brust, Trizeps und vordere Schulter nicht identisch. Neuere Dose-Response-Daten sprechen dafür, indirekte Arbeit anteilig zu berücksichtigen.
Mehr dazu: Wie viele Sätze pro Muskelgruppe?.
3. Intensität (Gewicht / RPE)
„Intensität“ kann im Krafttraining zwei Dinge meinen:
- Last: Prozent deines 1RM
- Anstrengung: wie nah der Satz am Versagen endet
Für maximale Kraft sind hohe Lasten wichtig. Die ACSM-Position von 2026 sieht Vorteile für Kraftentwicklung bei Lasten ab etwa 80 % 1RM.
Für Hypertrophie ist die mögliche Lastspanne deutlich breiter. Niedrige und hohe Lasten können Muskelwachstum erzeugen, solange die Sätze ausreichend fordernd sind.
Deshalb ist diese einfache Praxisaufteilung oft sinnvoll:
- Grundübungen: eher moderate bis hohe Lasten, damit Technik und Wiederholungsdauer kontrollierbar bleiben
- Isolationsübungen: häufig höhere Wiederholungszahlen, weil Gelenkbelastung und Setup einfacher sind
- Hypertrophiesätze: meist mit hoher Anstrengung, häufig ungefähr 2–3 RIR als guter Start
Das ist eine Heuristik, keine physiologische Pflicht.
4. Frequenz (Wie oft pro Woche)
Für Hypertrophie ist Frequenz vor allem ein Verteilungswerkzeug.
Wenn das Wochenvolumen vergleichbar ist, zeigt die aktuelle Forschung keinen konsistenten Muskelaufbauvorteil, nur weil ein Muskel häufiger trainiert wird.
Zweimal pro Woche ist trotzdem oft sehr praktisch.
Praxis-Empfehlung:
| Trainingstage/Woche | Häufig praktikabler Split |
|---|---|
| 2 | Ganzkörper |
| 3 | Ganzkörper oder rotierender Split |
| 4 | Ganzkörper, OK/UK oder andere 2er-Strukturen |
| 5 | OK/UK/PPL-Hybride oder rotierende Splits |
| 6 | PPL, OK/UK-Varianten oder Spezialisierung |
Das ist eine Organisationshilfe, keine Rangliste.
Für Kraft kann höhere Übungsfrequenz zusätzliche Vorteile bringen, weil du eine spezifische Bewegung öfter übst.
5. Progression (Wie du steigerst)
Ein Plan braucht eine Regel dafür, was passiert, wenn du besser wirst.
Progression kann bedeuten:
- mehr Gewicht
- mehr Wiederholungen
- mehr Sätze
- schwierigere Übungsvariante
- gleiche Leistung bei geringerer Anstrengung
Das Prinzip dahinter heißt Progressive Overload.
Die Progressionsregel sollte zur Übung passen.
Lineare Progression: sinnvoll, wenn du noch häufig Gewicht erhöhen kannst.
Doppelte Progression: sehr praktisch für viele Hypertrophieübungen – erst Reps innerhalb eines Bereichs erhöhen, dann Gewicht.
Autoregulation / Prozentmodelle: sinnvoll, wenn Trainingserfahrung und Ziel eine feinere Steuerung rechtfertigen.
Mehr dazu: Double Progression erklärt.
Schritt 1 — Split wählen
Der Split ist keine physiologische Grundentscheidung.
Er ist die Kalenderansicht deines Trainingsplans.
Ganzkörper (GK)
In jeder Einheit trainierst du mehrere große Bewegungsmuster.
Typisch: zwei bis drei Einheiten pro Woche.
Vorteile:
- wenige Trainingstage nötig
- Übungen werden regelmäßig wiederholt
- gut für Anfänger und Menschen mit engem Zeitplan
- ein verpasster Tag löscht nicht sofort eine komplette Muskelgruppe aus der Woche
Nachteile:
- bei sehr hohem Volumen können Einheiten lang werden
- Spezialisierung auf einzelne Muskeln ist schwieriger
Oberkörper/Unterkörper (OK/UK)
Ober- und Unterkörper werden auf getrennte Tage verteilt.
Vier Tage pro Woche funktionieren besonders sauber:
OK – UK – frei – OK – UK
Vorteile:
- viel Volumen pro Körperregion möglich
- Einheiten bleiben übersichtlich
- gute Balance zwischen Frequenz und Erholung
Nachteile:
- vier fixe Trainingstage passen nicht in jede Woche
- Oberkörpertage können bei viel Arm-/Schulterarbeit lang werden
Push/Pull/Legs (PPL)
Push, Pull und Legs trennen die Arbeit stärker nach Bewegungsmustern.
Vorteile:
- klarer Fokus pro Einheit
- viel Platz für Übungsvariation und Zusatzvolumen
- besonders praktisch bei hoher Trainingshäufigkeit
Nachteile:
- als starres 6-Tage-PPL zeitintensiv
- bei drei Tagen bedeutet PPL nur einen Kontakt pro Muskelgruppe; das kann funktionieren, ist aber bei kleinen Wochenvolumina nicht automatisch die beste Organisation
Die Empfehlung: Wähle zuerst die Zahl an Tagen, die du realistisch trainieren kannst. Dann nimm den einfachsten Split, der dein gewünschtes Volumen und deine Übungen sinnvoll verteilt.
Wenn du bestehende Programme vergleichen möchtest, zeigt Reddit-Trainingsprogramme im Vergleich mehrere bewährte Strukturen.
Schritt 2 — Übungen pro Muskelgruppe zuordnen
Du brauchst nicht für jede Muskelgruppe zwingend eine „Compound-Übung“.
Du brauchst Übungen, die gemeinsam alle gewünschten Funktionen abdecken.
| Muskelgruppe | Mehrgelenksoptionen | Direkte Ergänzung |
|---|---|---|
| Brust | Bankdrücken, Schrägbankdrücken, Dips | Flys, Cable Crossover |
| Rücken | Klimmzüge, Latzug, Rudern | Pullover, Reverse Flys |
| Schultern | Schulterdrücken | Seitheben, Reverse Flys |
| Quads | Kniebeuge, Beinpresse, Split Squat | Beinstrecker |
| Hamstrings | Rumänisches Kreuzheben | Beinbeuger |
| Bizeps | Klimm-/Ruderbewegungen | Curls |
| Trizeps | Bank-/Schulterdrücken | Trizepsdrücken, Overhead Extension |
Bei der Kniebeuge lohnt es sich, die Technik an deine individuelle Anatomie anzupassen — Standbreite, Fußwinkel und Tiefe sind nicht universell. Mehr dazu: Kniebeuge-Technik individuell anpassen.
Ein guter Start sind wenige stabile Übungen.
Mehr Variation ist nicht automatisch besser. Zu häufige Wechsel erschweren sogar den Vergleich, weil du Progression nicht mehr sauber beurteilen kannst.
Schritt 3 — Sets und Reps festlegen
Statt starre Satzbereiche nach Trainingsjahren zu vergeben, baue vom Ziel aus.
Für Hypertrophie:
- beginne mit moderatem Wochenvolumen
- verteile es auf Übungen, die den Zielmuskel sinnvoll treffen
- nutze einen breiten Wiederholungsbereich, den du technisch sauber trainieren kannst
- trainiere ausreichend anstrengend
Für Kraft:
- priorisiere die konkrete Zielübung
- nutze einen relevanten Anteil schwerer Arbeit
- ergänze Volumen, ohne die Qualität der Hauptarbeit zu zerstören
Ein Anfänger braucht dabei meist weniger, nicht mehr Komplexität.
Drei saubere Sätze einer Übung mit klarer Progressionsregel sind häufig wertvoller als sechs Varianten ohne System.
Schritt 4 — Startgewicht bestimmen
Wenn du deine Maximalwerte kennst, kann der 1RM-Rechner bei Prozentprogrammen helfen.
Für viele Übungen ist eine RIR-basierte Auswahl einfacher.
Wähle ein Gewicht, mit dem du die Zielwiederholungen:
- technisch sauber
- ohne Grind
- mit ungefähr 2–3 Wiederholungen Reserve
schaffst.
Das ist ein Startpunkt.
Wenn das Programm ausdrücklich andere Vorgaben macht – beispielsweise schwere Prozentarbeit oder AMRAP-Sätze – gelten diese natürlich.
Der häufigere Fehler ist nicht, dass das Startgewicht 2,5 kg zu leicht ist.
Der häufigere Fehler ist, so schwer zu beginnen, dass schon in Woche 1 keine Progressionsreserve mehr vorhanden ist.
Schritt 5 — Progressionsregel definieren
Jede Hauptübung braucht eine klare Antwort auf:
Was passiert beim nächsten Training?
Beispiele:
Lineare Progression:
Wenn alle geplanten Wiederholungen mit sauberer Technik geschafft wurden, erhöhe beim nächsten Mal um die kleinste sinnvolle Laststufe.
Doppelte Progression:
Rep-Range 8–12. Steigere zuerst die Wiederholungen. Wenn alle Arbeitssätze die obere Grenze erreichen, erhöhe das Gewicht und beginne wieder weiter unten im Bereich.
RPE/RIR-gesteuert:
Gewicht so wählen, dass die Zielwiederholungen im vorgegebenen Anstrengungsbereich bleiben. Last steigt, wenn derselbe Wiederholungsbereich bei geringerer Anstrengung möglich wird.
Eine gute Regel beschreibt außerdem, was bei Stagnation passiert.
Nicht jede verfehlte Wiederholung braucht sofort einen 10-%-Deload. Häufig reichen Wiederholung des Gewichts, kleinere Lastsprünge oder eine Anpassung des Rep-Bereichs.
Mehr dazu: Progressive Overload erklärt und Double Progression.
Beispiel: 3-Tage Ganzkörper (Anfänger)
Die Basic Beginner Routine ist ein bewusst einfaches A/B-System:
| Workout A | Workout B | |
|---|---|---|
| 1 | Rudern 3×5 | Klimmzüge 3×5 |
| 2 | Bankdrücken 3×5 | Schulterdrücken 3×5 |
| 3 | Kniebeuge 3×5 | Kreuzheben 3×5 |
Die hitPR-Fassung arbeitet mit festen Wiederholungszielen ohne AMRAP und passt damit die Progression der r/Fitness-Vorlage bewusst an.
Die Stärke liegt nicht darin, dass genau diese sechs Übungen physiologisch perfekt wären.
Sie liegt in der einfachen Struktur:
- wenige Übungen
- häufige Wiederholung
- klarer Leistungsmarker
- nachvollziehbare Progression
Woher die Routine stammt und wie sich die hitPR-Adaption von der Greyskull-/Phrak-Logik unterscheidet, erklären wir in Greyskull LP erklärt.
Beispiel: 4-Tage OK/UK (Intermediate)
Für vier Trainingstage bietet Upper / Lower eine klare Aufteilung in zwei Ober- und zwei Unterkörpertage.
Das ist besonders sinnvoll, wenn du mehr Übungs- und Muskelvolumen unterbringen willst, ohne jede Einheit zu verlängern.
Wer zusätzlich Heavy- und Volume-Tage kombinieren möchte, kann sich PHUL ansehen. Die DUP-artige Struktur zeigt gut, dass ein Trainingsplan nicht jede Eigenschaft in jeder Einheit maximieren muss.
Fazit
Einen Trainingsplan erstellen heißt nicht, für jede Variable die vermeintlich „optimale“ Zahl zu finden.
Du brauchst ein System, das:
- dein Ziel klar priorisiert
- in deine reale Woche passt
- genügend produktives Volumen enthält
- Last und Anstrengung sinnvoll steuert
- Übungen lange genug stabil hält
- eine konkrete Progressionsregel besitzt
Die aktuelle Evidenz macht die Planung dabei eher einfacher als komplizierter: Viele verschiedene Programme funktionieren, wenn die Grundlagen stimmen.
Der beste selbst erstellte Plan ist deshalb nicht der individuellste oder komplexeste. Es ist der einfachste Plan, den du zuverlässig ausführen, messen und über Zeit weiterentwickeln kannst.
Quellen
- Currier BS et al. (2026). American College of Sports Medicine Position Stand: Resistance Training Prescription for Muscle Function, Hypertrophy, and Physical Performance in Healthy Adults. Medicine & Science in Sports & Exercise, 58(4):851–872.
- Pelland JC et al. (2026). The Resistance Training Dose Response: Meta-Regressions Exploring the Effects of Weekly Volume and Frequency on Muscle Hypertrophy and Strength Gains. Sports Medicine, 56(2):481–505.
- Robinson ZP et al. (2024). Exploring the Dose-Response Relationship Between Estimated Resistance Training Proximity to Failure, Strength Gain, and Muscle Hypertrophy. Sports Medicine, 54(9):2209–2231.
- Schoenfeld BJ et al. (2021). Loading Recommendations for Muscle Strength, Hypertrophy, and Local Endurance: A Re-Examination of the Repetition Continuum. Sports, 9(2):32.
- Plotkin DL et al. (2022). Progressive overload without progressing load? The effects of load or repetition progression on muscular adaptations. PeerJ, 10:e14142.
- Helms ER, Morgan A, Valdez A (2019). The Muscle and Strength Pyramids: Training. 2nd Edition.
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